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Sonntag, 28. Februar 2016

Ein Sonnenstrahl




Jeden Tag versucht sie sich nicht von den tristen Farben des Alltags einfangen zu lassen. Alles ist grau in grau und selbst die weise Pracht des Schnees hat es die Tage nicht geschafft, in Beständigkeit liegen zu bleiben und hat sich nur in Regen verwandelt. Dann ist es eigentlich auch nicht schlimm, das sie viel zu tun hat und sich auch noch mit einer Erkältung durch die Tage schleppt. Sie macht in ihrer Einsamkeit ihre Arbeit und lebt so vor sich hin. Immer wenn dunkle Gedanken, passend zu dem äußeren Geschehen aufkommen wollen, versucht sie sich an den Kleinigkeiten die sie entdeckt zu erfreuen. Sei es ein neuer Trieb einer Pflanze, eine neue Blüte die zu strahlen scheint oder ein bewusster Augenblick der Stille. Irgendwie funktioniert es, aber ihr fehlt etwas. Die Kälte der Farben und von außen, wollen sich in ihr breit machen. Sie spürt immer mehr, dass ein Kampf dagegen sie nur noch mehr belasten würde, deswegen gibt sie es einfach auf. Lässt alles geschehen und was sie nicht glaubte, das so viel Schönes aus ihr heraussprudeln kann, das die Arbeit einfach läuft ohne das sie sich weit Gedanken darüber macht. Sie hat einfach aufgehört zu denken, ist da wo sie ist und nur hin und wieder sehnt sie sich nach einem Moment wärme. Wärme, die ihre Seele streichelt und das Herz berührt. Es erscheint ihr wie ein Wunder. Kaum geht es ihr wieder etwas besser, die Arbeit hat sich vom Tisch weggearbeitet, reißt die Wolkendecke am Himmel auf. Eine schon fast ungewohnte Helligkeit und Wärme erfüllt ihren Raum. Ein Lächeln verspürt sie in ihrem Gesicht. Ein angekündigter Termin soll der nächste Punkt an diesem Tag sein. Sie will aber raus, einfach in die Natur und sein. Sie möchte aber auch diesen Termin wahrnehmen. Also greift sie nach dem Telefon und sagt ihren Abholdienst ab. Etwas Unverständnis kommt ihr entgegen, da der Weg doch so weit sei und der Berg etwas beschwerlich. Wenn sie unbedingt laufen möchte, könne sie doch auf dem Heimweg laufen. „Da scheint aber keine Sonne mehr und ich brauche jetzt Sonne.“ Sie ist sehr erstaunt über ihre Entschiedenheit, aber sie freut sich gleich noch mehr auf die Zeit die jetzt kommen soll. Genau das wonach sich ihr Herz sehnt. Ja, ihr Innerstes regelrecht schreit. Sie nimmt sich das, was sie braucht und was ihr gut tut. Ja, das ist Achtsamkeit. Nicht nur machen, sondern auch auf das Herz hören. Einfach nur sein.
So geht sie extra einen Umweg, damit sie in der Stadt der Natur noch ein ganzes Stück näher kommt. Immer wieder bleibt sie einen Augenblick stehen, um so tief Luft zu holen, als würde die Zeit anhalten und sie den Moment, die Sonne und die Wärme in dieser tristen Zeit tief in sich aufzusaugen. Wie eine Batterie die sich auflädt, damit sie in den nächsten Tagen und Wochen wieder aufladen kann. All der Trübsinn, all die Gedanken sind wie verflogen und als sie an ihrem Ziel ankommt, ist sie wie ausgewechselt in der Sicherheit und mit dem Vertrauen in ihre Intuition und der neuen Energie in ihrem Herzen, welches sie um ein weiteres mehr Strahlen lässt. 

(© by Emma Wolff, 7.2.2016)

Sonntag, 3. Februar 2013

Augenblicke des Lebens IV / 13 – Verbundenheit im Herzen




Wie sehr hat er sich nach der Zeit des Jahres gesehnt. Endlich hat er Urlaub. Endlich kann er einfach mal nur sein. Endlich muss er mal nicht nur funktionieren, so wie er es in der restlichen Zeit des Jahres tun muss. Endlich kann er so sein wie er ist. Endlich, endlich, endlich. Endlich kann er sich in sein Auto setzen und einfach drauf los fahren, dahin wohin es ihn verschlägt. Einfach da sein, wo sein Herz ihn hinführt. Endlich.
Er könnte ein paar Freunde besuchen. Er könnte aber auch ans Meer fahren. So sehr wie er sich auf diese Zeit auch gefreut hat, so lang erscheint ihm diese Zeit auch zu sein. Klar ein paar Ideen schlummern in ihm, aber so sehr wie er sich nach diesen Wochen gesehnt hat, so sehr erscheint ihm auch die Erschöpfung und das Loch welches sich auftun will. Er spürt das er alleine ist. Zumindest fühlt es sich in diesem Moment so an. Er würde gerne die Zeit mit anderen teilen, aber mit wem. Die Menschen die er jetzt gerne um sich hätte, haben keinen Urlaub mehr. Sie werden schon wieder von ihrem Alltag getrieben.
Am besten wird es sein, wenn er sich jetzt einfach in sein Auto setzt und drauf losfährt. Erst einmal ans Meer. Zeit für sich haben. Ja ,das ist nicht verkehrt. Den Versuch starten, dort wieder ganz bei sich anzukommen. Danach kann er ja noch weiter schauen. Es gibt so viele Plätze wo er sein kann, die er noch nicht kennt und die schön sein müssen, so das er immer weiterziehen kann, solange die Zeit ihn lässt.
Seine Abenteuerlust hat ihn gepackt und all seine Spontanität ist auch wieder vorhanden. Das was ihn ausmacht und er so sehr liebt. Sein erstes Ziele ist das Meer. Er liebt das Meer und freut sich endlich angekommen zu sein, denn so sehr wie die Freude über seinen Urlaub gefasst hat, so sehr macht ihn auch die Erschöpfung zu schaffen, denn je mehr er zur Ruhe kommt, um so mehr macht sich auch etwas Schwermütigkeit breit. Es fällt ihm jeden Tag aufs neue schwer sich aufzuraffen und etwas zu unternehmen. Am liebsten würde er einfach da liegen bleiben, wo er liegt und nichts tun. Nur das geht doch nicht. Man kann nicht einfach nur nichts tun. Es fehlt ihm die wirkliche Inspiration.
Natürlich hat er Ideen, aber keine dieser Aktivitäten berührt ihn wirklich. Er ist am Ende zufrieden, mit dem was er gemacht hat, aber er ist nicht wirklich bei sich. Was soll er aber vom Leben erwarten? So muss er doch zufrieden sein, mit dem was er hat und was er macht. Dennoch fühlt er sich leer und nicht wirklich angekommen. Das ist für ihn das Zeichen, das es Zeit wird vielleicht weiter zu ziehen. Vielleicht ist es der Ort an dem er ist. Das es nicht der Ort ist an dem er sein sollte.
So zieht er immer weiter und versucht seine Ideen umzusetzen. Alles was er tut ist in Ordnung, aber nicht wirklich erfüllend in seinem Herzen. Die Leere und die Erschöpfung bleibt. Gleichzeitig fühlt er sich immer noch getrieben und das ist etwas, was er in dieser Zeit nicht spüren wollte. Getrieben von einem inneren Gefühl und der Zeit. Er hat das Gefühl, das er die Zeit nicht ausfüllen kann und gleichzeitig sie ihn zwischen den Finger zerrinnt.
Mit einem Mal erscheint ihm eine Lösung vor den Augen. Wenn er diese Reise, diese besondere Zeit des Jahres nicht mit den Menschen verbringen kann, mit denen er jetzt gerne zusammen sein möchte, nur weil diesen jetzt nicht gegeben ist, einfach drauf los zureisen, so wie er es macht, warum setzt er sich nicht in sein Auto und fährt zu ihnen? Irgendetwas in ihm sagt, das es jetzt das richtige wäre, einfach in die Nähe zu fahren, sich dort niederzulassen und zu schauen was geschieht. Er möchte die Menschen auch nicht einfach so überfallen und voraussetzen, das sie die Zeit und den Raum auch für ihn haben. Es ist zudem eine Möglichkeit, das sie etwas Zeit miteinander verbringen können. Wer weiß schon was ihn Neues erwarten wird.
Zu seiner großen Überraschung wird er mit offenen Armen willkommen geheißen, obgleich er einfach so aufgetaucht ist und niemand vorher Bescheid wusste. Sollte er sich die Frage stellen, warum ihm so daran gelegen war, Zeit mit dieser Frau die er vor Jahren aus den Augen verloren hatte, zu verbringen? Nein. Das möchte er nicht. Er möchte so wie die ganzen Tage vorher auch schon alles auf sich zukommen lassen und die restliche Zeit die er jetzt in seinem Urlaub noch zur Verfügung hat genießen.
Irgendetwas ist anders.
In ihrer Gegenwart spürt er so viel Wärme und Nähe in sich, das er es kaum fassen kann. Ein Mensch, ein Ort und er kann sich einfach so fallen lassen. Er macht genau das, wovor er eigentlich Angst hat, denn er könnte sich darin verlieren. Das wäre in seinen Augen eine Katastrophe. Nun steht er vor ihr und all das was ihn zu schaffen macht ist verschwunden. Es ist als würde sie seine Seele berühren und alle das schenken wonach er sich gesehnt hat. Auf einmal ist einfach alles da. Kann er dem Gefühl vertrauen oder ist es nur wieder eine Irritation oder eine Illusion der er verfallen könnte, nur weil sein Innerstes komplett verrückt spielt und er es nicht mehr einzuschätzen vermag. Allerdings kann er nicht anders, als dieses ganze Erleben in sich aufzusaugen, denn in ihm kommt so viel zum tragen, das er auch etwas zurückgeben kann. Er fühlt sich vollkommen, entspannt und dynamisch. Als würde das Kind im Manne wieder erwachen. Eine unsagbare Nähe und Intensität kann er in sich erleben, wobei es ihm auch immer wieder unheimlich erscheint.
Nur wenn eines ganz klar und zu spüren ist, dann, das sie sich beide diesen Augenblicken einfach hingeben. Sie ist Balsam für sein Herz und seine Seele, selbst in dem Bewusstsein, das er bald schon wieder abreisen muss.
Nur was ist dann?
Sie möchten die Zeit einfach genießen, die Intensität erleben und alles was für sie vorher gesehen ist, wird sie auch erreichen. Er will alles auf sich zukommen lassen, aber er weiß bei dem Moment der Abreise, das es ein neuer Beginn ist.
Erfüllt von Liebe, Leben und der Erinnerung an diese Zeit, kehrt er in seinen Alltag zurück, mit der Verbundenheit im Herzen, die ihn nicht loslässt, sondern jeden Tag aufs Neue begleitet.

© by Emma Wolff (26.1.2013)




Sonntag, 27. Januar 2013

Augenblicke des Lebens III / 13 – Weiße Stille


Es ist noch tiefe Nacht und gleichwohl dringt durch die Fenster ein heller Schein. Jeder einzelne Ast der Tannen vor dem Haus ist zu erkennen. Die Dächer sind weiß umhüllt. Sie steht auf und geht zum Fenster, derer Blick für sie immer offen ist. Sie mag es nicht, wenn sich die Sicht in die Weite verbarrikadiert, deshalb lässt sie auch in der Dunkelheit die Vorhänge immer offen. Im Licht der Laterne sieht sie, das es unerschütterlich schneit. Ein kalter Schauer läuft ihr über den Rücken. Dessen ungeachtet bleibt sie einen Moment da stehen und schaut in die weiß leuchtende Dunkelheit. Alles ist ganz still. Auch von draußen ist kein Geräusch zu vernehmen. Als wäre Alles in einen tiefen Schlaf gehüllt. Ein tiefer Schlaf, der nur sie unberührt lässt. Sie legt sich in dieser ungewöhnlichen Finsternis wieder ins Bett. Sie schaut und betrachtet von dort aus, weiter die hellen Umrisse der Bäume. Jeden einzelnen Zweig. In ihren Gedanken tauchen die Bilder der Tage, ja der Jahre auf, die sie diese Tannen schon beobachtet hat. Wie die Vögel darin ihre Nester gebaut haben. Wie sie die Jungen beim wachsen beobachten konnte. Wie sie fremde Tiere verscheucht haben und auch wie sich der Anblick dieser Bäume jeden Tag ändert und sie das alles miterleben darf. Allerdings kann sie sich auch nicht erinnern, dass sie solch ein Schauspiel, wie in dieser Nacht, schon so bewusst erleben durfte. Sie, obgleich tiefe Nacht herrscht und der Himmel von der Dunkelheit des Neumondes überzogen ist, alles in solch einem strahlenden hellem Licht wahrnehmen und sehen durfte. So gesehen, genießt sie es einfach nur, freut sich über ihr Glück des Erlebens, bis sie irgendwann einfach nur einschläft.

Am nächsten Morgen wird sie von den ersten Sonnenstrahlen geweckt. Das Schneetreiben hat sein Ende gefunden. Sie spürt die Kälte des Morgens und der vergangenen Nacht in den alten Räumen. Im gleichen Atemzug vernimmt sie, wie in sich die Wärme der Freude und des Friedens, die Wärme der Liebe über das Erleben dieses Morgens ausbreitet. Sie spürt, das dies ein traumhafter Tag wird. Die Sonne steht noch tief in ihrem hellen und kalten Licht, am zart blauen Winterhimmel. Ihre Strahlen schimmern in den Eiskristallen, die sich über der dicken Schneedecke gebildet haben. Sie funkeln wie kleine Diamanten, in den kalten Farben des Winters. Allerdings in einem glänzenden und erfüllenden Licht, welches voll mit Leben steckt und die Erde an einzelnen Stellen in einen goldenen Schein erstrahlen lässt. Sie öffnet das Fenster und atmet tief die eisige Winterluft und den Duft des Schnees ein. Jeder Atemzug durchströmt sie an diesem Morgen noch mehr mit Leben. Keine Bewegung ist zu vernehmen. Kein Ast, kein Zweig und kein Tier bewegt sich. Alles ist über und über mit Schnee bedeckt. Kein Geräusch kann sie vernehmen, obwohl sie am Stadtrand lebt. Jedoch ist Alles in eine tiefe Stille gehüllt. Die selbe Stille, welche sie in der Nacht schon wahrnahm, mit dem Unterschied, das sie diese auch jetzt nicht als unangenehm empfindet. Sie spürt das Schweigen und den Frieden der unter der Schneeschicht begraben liegt und alles mit dieser Stille und Leben einhüllt. Als würde jetzt alles in einem tiefen langen Schlaf verharren, solange der Schnee sie bedeckt. Sie in ihm Ruhe und Kraft tanken können, bevor alles wieder schmilzt und die Vergänglichkeit der Jahre, in ihren Zeiten, einen neuen Verlauf nimmt. Bevor die ersten Grashalme und die Blumen langsam aus der Erde kommen, um von neuen zu aufblühen. Die Bäume ihre ersten Triebe sprießen lassen, um eines Tages wieder voll Früchte stehen zu können. Bis alles wieder voll Farbe und Pracht erblühen darf.
Jeden einzelnen Augenblick saugt sie regelrecht in sich auf, bevor sie sich in ihren Tag begibt, in die silberweiße, helle und strahlende Weite und Stille hinaus zu marschieren, um einfach nur zu sein.


Einfach nur zu sein, mit allem was in ihr lebt und sie umgibt. Voll ihrer Liebe, dem Leben, vollkommenen Frieden, inmitten der tiefen weißen Stille.

© by Emma Wolff (25.1.2013)



Sonntag, 13. Januar 2013

Augenblicke des Lebens I / 13 - Augenblick voll Glück





Die Zeit wirkt schnell. Für sie erscheint die Zeit einfach zu schnell. Alles, selbst wesentliche und grundlegende Entscheidungen sollen, sofort getroffen werden. Eine Kommunikation soll und muss überall gewährleistet sein und für die wirklich wichtigen Dinge, die sozialen und zwischenmenschlichen Angelegenheiten fehlt am Ende die Kraft. Ein Leben, wie sie es sich nicht wünscht. Sie möchte sich diesem am liebsten voll und ganz entziehen, aber es ist vollkommen unmöglich in ihrem Alltag.
Sie sieht wie die Menschen immer mehr gestresst und gehetzt sind. Dem, was sie eigentlich wollen, können sie nicht die Aufmerksamkeit schenken, die sie eigentlich dafür geben wollen und bemerken bei all der Kommunikationsüberflut gar nicht mehr, wie sehr sie sich voneinander entfernen und die Menschen sich auch immer mehr in sich zurückziehen, weil sie für alles weitere keinen Antrieb haben, es überhaupt noch zu erkennen. Sie sieht, wie die Menschen resignieren, vor dem technologischen Fortschritt und sich dem ganzen Wahnsinn voll und ganz ergeben, immer in der Hoffnung es würde jemand kommen und sie erlösen. Nichts darf mehr einen Moment andauern. Alles muss auch sofort geschehen.
Die Achtsamkeit, die damit verbunden ist, ist verloren gegangen, ebenso wie die Liebe, die man bei allem was man tut verspüren sollte, einfach abhanden gekommen ist. Zumindest spüren all ihre Lieben, das in ihrem Schaffen und Tun nicht mehr. Die Traurigkeit und Lethargie hat in den letzten Monaten und Jahren immer größere Kreise gezogen. Die kleinen Wunder des Lebens können nicht mehr gesehen werden, denn die Angst hat sie zu sehr in den Bann der Schnelligkeit gezogen.
Sie wiederum hat für sich schon vor Jahren beschlossen, das sie diesem ganzen Irrsinn nicht verfallen will und kann. Sie spürte sehr schnell, was tut ihr gut und was nicht. Sie schaute wo braucht sie all diesen Fortschritt und wo kann und muss sie darauf verzichten. Sie verteufelt all die Zeit nicht, denn es macht sehr vieles auch einfacher, aber das Menschliche, das Persönliche zu all ihren Lieben, das muss und möchte sie nicht auf diese Art und Weise leben, wie all das, was sie in ihrem Alltag erleben muss. Sie spürt das sie etwas anders machen muss, doch dann ist ihr auch gewiss, das sie die Menschen um sich herum auch erreichen wird.
So setzt sie sich auch an diesem Tag wieder einmal hin, packt ihr Briefpapier und ihren Füllfederhalter aus und schreibt jedem Menschen den sie in ihrem Herzen trägt einen Brief.
Sie schreibt jedem, bei dem sie das Gefühl hat, dieser Mensch braucht einen ganz besonderen Moment der Aufmerksamkeit und Liebe. Einen Augenblick, in dem sie ganz bewusst, nur diesem Menschen, ein paar Gedanken aus ihr heraus schreibt, damit er beim Empfangen dieser Zeilen das Gefühl bekommt, dass er durch die Zeit die sie mit dem Schreiben des Briefes an ihn, eine Umarmung und einen wärmenden Moment der Ruhe und der Liebe verschenkt, welches er verspürt, wenn er den Brief liest oder wenn es ganz notwendig war, noch eine Weile in ihm leben und ihn begleiten kann.
Es ist nicht selten, dass sie keine Reaktion darauf bekommt. Jedoch, weiß sie genau wie es den anderen geht, so dass sie nicht umhin kann, als dieses Ritual weiterzuführen, da sie zum einen spürt, das all ihre Worte, Gedanken und Liebe ankommt. Zugleich wie sie Kenntnis darüber hat, wie sehr dieses Gefühl gebraucht wird, dass sie das Schreiben der Briefe so sehr erfüllt, das sie in dem Moment unendlich bei sich, in ihrem Frieden und voll mit Liebe und Glück ist.


 © by Emma Wolff (6.1.2013)



Sonntag, 6. Januar 2013

Geschichten des Lebens – Das Neue Jahr und Leserwünsche





Lieber Blogleser,

ein neues Jahr hat begonnen und dies ist der letzte Blogeintrag in der Rubrik „Geschichten des Lebens“, zumindest, wenn man den Ablauf eines Jahres betrachtet.
Seit einem Jahr gibt es nun die Geschichten des Lebens. Mein persönliches Ziel dieses Projektes ist nun erreicht und es stellt sich mir die Frage, „Wie soll es in diesem Blog weitergehen?“.
Sollte es weiter gehen?
Jeden Sonntag eine Geschichte die das Leben schreibt? Einen Moment, einen Augenblick, ein Erlebnis oder eine Erzählung, eine Begegnung oder ein paar Gedanken in Form von Prosa festhalten? Oder sollte es das gewesen sein?
Ein weiterer Gedanke der in mir als Autorin schon vor ein paar Wochen zum Leben erwachte, „Ich vermisse es wieder einmal mehr Gedichte zu schreiben“, da dies unter der Rubrik „Geschichten des Lebens“, parallel zu meiner Bucharbeit, sehr kurz gekommen ist. Es passte in meinen Augen nicht in diese Kategorie.
Oftmals sind es auch nur Gedankenblitze oder Bilder die einen Autoren zum Schreiben bewegen. Also wie sollte es jetzt in diesem Blog weitergehen?

Was hat das letzte Jahr gebracht?
Für mich steht fest, ich bin in der Lage, kontinuierlich, an einem festen Tag in der Woche, einen Beitrag, eine Geschichte, eine Erzählung oder einen Moment des Lebens zu veröffentlichen, ohne dass die Aufgaben meines Alltages und die andere kreative und organisatorische Arbeit darunter leidet.
Der Blog war nach einigen Monaten des Schweigens wieder zum Leben erwacht und hat auch so einige neue Leser gewonnen.
Gleichzeitig ist mir auch zu Ohren oder in Form von Mails zu Augen gekommen, das es einige Leser gibt, die sich sogar auf den Sonntag freuen. Wie mich zum Beispiel die Nachricht erreichte, „Ein Sonntag ohne Emma, ist wie ein Streuselkuchen ohne Streusel.“
Auf der einen Seite macht es einen Stolz, da ich als Autorin somit weiß, dass ich Menschen erreiche und es auch Leser gibt, die sich auf das wöchentliche Posting freuen.
Somit kommt der nächste Gedanke auf, „Ich kann und sollte diesen Blog nicht so einfach aufgeben oder ruhen lassen“. Nach diesem Jahr fühle ich mich bei dieser Art von Feedback auch etwas verpflichtet.
Was wäre dann das Beste für den Blog?
Ein Neues Jahr hat begonnen und auch hier sollte somit eine Veränderung stattfinden, so wie es in meinem Alltag und Leben, außerhalb des virtuellen Daseins auch stattfindet.
Einige Ideen schlummern schon in mir.
Gleichfalls interessiert mich auch sehr, was würde meinen Lesern gefallen?

Einige meiner Fragen habe ich in den voranstehenden Zeilen schon mitgeteilt. Was würdet ihr Euch wünschen? Was sollte nicht mehr geschehen oder was sollte es mehr geben? Was wollt ihr sehen oder lesen?
Es würde mich wirklich brennend interessieren. Deswegen habt den Mut und teilt mir Eure Wünsche und Vorstellungen mit.
Natürlich kann ich es nie und nimmer allen Recht machen und vor allem werde ich mir immer treu bleiben. Dennoch bin ich neugierig. Da ich zudem möchte, dass sich jeder Besucher und Leser auf diesen Seiten wohlfühlt, denke ich, ist es nur wichtig das auch dieser nun einmal zu Wort kommen sollte.
So freue ich mich auf ein neues gemeinsames Jahr, mit jedem Einzelnen hier auf dieser Seite und bin sehr gespannt, was für Ideen und Anregungen sich hier einfinden werden.
Ganz viele liebe und vorab schon einmal dankbare Grüße an jeden einzelnen Leser
Eure

Emma Wolff.

Sonntag, 30. Dezember 2012

Geschichten des Lebens – Der Jahreswechsel




Ein scheinbar langes und nie enden wollendes Jahr liegt hinter ihr. Die letzten Minuten dessen sind angebrochen und für diese Zeit hat sie sich einfach mal von der Feier mit Freunden zurück gezogen, da sie das Gefühl in sich trägt, diese Ruhe und Stille ganz dringend zu benötigen. Zumindest in diesem Moment möchte sie einen Augenblick für sich alleine sein und sich vom Alten verabschieden, damit sie sich um so mehr auf das Neue und Kommende freuen kann.
Sehr vieles hat sie im letzten Jahr erleben müssen und ist auf sie niedergeprasselt. Jedoch wenn sie es so betrachtet, dann ist sie dankbar für das Erleben, da sie immer mit vielen neuen Erkenntnissen aus diesen Phasen herausgekommen ist. Wenn sie es ganz genau anschaut, dann könnte man sagen, es war ein auf und ab ohne dazwischen Luft holen zu können. Die Wunder des Lebens stürzten ebenso auf sie hinein, wie der vermeintliche Fall in ein tiefes Tal und irgendwie ist es ihr gelungen eine Balance zu halten, auch wenn das nicht immer einfach war. Es war ein so intensives Jahr, das sie jetzt einfach glücklich ist, an diesem Ort, Jetzt und Hier und einfach Sein zu können.
Ja einfach sein, mit all den Erlebnissen, in diesem Leben und in keinem anderen, mit all dieser Liebe die sie in sich trägt. Ja sie ist regelrecht dankbar dafür, das sie jetzt hier ist und nicht irgendwo. So viel Schmerz ist vergangen und so viel anderes ist ihr vom Leben geschenkt wurden, das es ihr zum Teil, auch mit etwas Abstand, immer noch wie ein Wunder gleicht.
Immer wieder erwischt sie sich dabei, wie sie sich fragt, womit hat sie das verdient. Dabei stellt sich in gewissen Lebenslagen nie die Frage, das man es sich verdient haben muss, denn das ist das Leben und es gehört dazu, wenn man es denn zulassen kann.
Sie vernimmt wie die Türe geöffnet wird und spürt wie sie kurz darauf von hinten in den Arm genommen und ganz fest gehalten wird. Sie lehnt sich in all dem Frieden zurück und weis das dies das größte Geschenk des Jahres ist. Die Liebe, die nach Jahren des Alleinseins und der Einsamkeit, der Selbstaufgabe für andere, endlich bei ihr, in ihrem Leben Einzug gehalten hat. Die Jahre dazwischen brauchte es für sie, aber nun soll es auch gut sein, für ihr Leben, denn ein jeder hat ein Recht darauf geliebt zu werden und noch mehr diese Liebe auch zu erwidern.
Sie schauen gemeinsam aus dem Fenster, genießen die Stille und diesen winzigen gemeinsamen Augenblick. Von den Straßen ist zu hören, das der Countdown fürs neue Jahr begonnen hat und im Ablauf der Sekunden kann sie seiner Stimme nur noch entnehmen, Ich liebe Dich.


© By Emma Wolff (11.11.2012)





Sonntag, 23. Dezember 2012

Geschichten des Lebens XLVIII – Ein Heiligabend





Gemütlich spaziert sie durch den Tag. Ein paar Kleinigkeiten benötigt sie noch. An einem Stand holt sie einen Glühwein und beobachtet wie die Schneeflocken, wie sie in der Luft tanzen bevor sie sich ganz sachte auf der Erde nieder lassen. Auch wenn die Menschen um sie herum in ihrer Hektik bald zergehen, so berührt sie das heute nicht mehr. Heute ist sie ganz für sich und so wie sie ist. Alles andere geschieht einfach. Eine alte Dame verliert ihre Einkäufe, als sie versucht die Straßenbahn zu erwischen. Ohne weiter darüber nachzudenken, hilft sie der Alten und sammelt ihr die Orangen auf, die über den ganzen Schnee verteilt liegen. Die Dame schaut sie nur erstaunt an, als würde sie gerade ein Wunder erleben. Dabei hebt sie nur die Orangen auf. Mit einem Lächeln packt sie diese der Frau in die Tasche, wünscht ihr ein gesegnetes Weihnachtsfest und geht wieder weiter ihrer Wege.
Zwischendurch holt sie sich noch ein paar Lebensmittel für die kommenden Tage. Im Laden steht ein kleines Kind und weint. Es sucht seine Mama. In dem Gedränge hat es den Überblick verloren. Sie geht zu dem Kleinen hin und beruhigt es erst einmal. Danach laufen die beiden ganz in Ruhe durch den Laden, bis sie die aufgebrachte Mutter gefunden haben. Es erfüllt sie ungemein mit Glück, zu sehen wie sich die beiden vor Freude in die Arme fallen und bemerken, das es noch wichtiger ist auf sich gegenseitig achtsam zu sein.
Als sie die Straße wieder betritt, dämmert es schon und die Geschäfte schließen nach und nach. Die Beleuchtungen sind angezündet und ein warmes Gefühl breitet sich in ihr aus, während sie sich durch den Schnee auf den Heimweg begibt. Sie hat alle Zeit der Welt, die sie sich auch nimmt. Es gibt niemanden der sie heute Abend erwartet. Sie bringt ihre Einkäufe nach Hause und macht sich noch einmal auf den Weg in die Kirche. Auch wenn diese sehr voll sein wird, so bringt es sie genau in die Ruhe und Besinnlichkeit, die sie sich gerade so sehr wünscht und ersehnt.
Sie sitzt in der Kirche. Viele Menschen sind dankbar für diesen kleinen Augenblick der Ruhe bevor sie für die Familie kochen müssen oder das Haus voll mit Weihnachtsgästen haben. Andere sind so angespannt, weil es einfach ein Punkt in ihrem Tagesablauf ist, den sie abarbeiten müssen. Eine Traurigkeit überfällt sie bei dem Anblick dieser Menschen. Am liebsten möchte sie ihnen etwas von dieser Last, die sie sich aufgebürgt haben abnehmen, doch das geht nicht. Deswegen schickt sie ihnen die guten Gedanken die sie gerade empfindet.
Nach dem Gottesdienst trifft sie noch ein paar Bekannte vor der Kirche die sich gerade unterhalten. Sie wünscht allen ein gesegnetes Fest. Sie wird gefragt wie sie denn ihr Fest verbringen wird. Sie berichtet mit einem strahlen in den Augen das sie die Tage alleine verbringen wird. Mitleid springt sie an und man bekundet dies ihr gegenüber auch. Doch sie lächelt nur und bestätigt, dass alles bestens ist und es ihr sehr gut geht.
Als sie wieder zu Hause ist, sich etwas zu Essen gemacht hat, sitzt sie mit einem Glas Wein auf dem Sofa. Am Weihnachtsbaum hat sie sich die Kerzen angezündet und auch alle vier Kerzen am Adventskranz brennen. Nun muss sie doch noch einmal kurz über das Mitleid, welches ihr entgegengebracht wurde nachdenken.
Wirklich verstehen kann sie es auch nicht. Sie selber empfindet es nicht als schlimm alleine zu sein. Hat sie wirklich schon mehrere Weihnachten alleine erleben müssen und ihre Gedanken gehen noch weiter zurück, als sie in der Ferne war und diese Tage in einem Krankenhaus verbringen musste. Keiner konnte sie besuchen oder diese Zeit mit ihr teilen. Jedoch war dies nicht so schlimm, wie man es sich immer vorstellen mag. Viele schluckten auch nur als sie hörten, dass sie in diesem Jahr wieder einmal alleine das Weihnachtsfest verbrachten, noch mehr als sie vernahmen, dass alle Angehörigen verreist waren und in der ganzen Welt verstreut sind. Warum ist es für viele Menschen nicht zu verstehen, das es nichts Schlimmes ist das Fest alleine zu verbringen. Ist es für sie viel wichtiger zu wissen, das diese Menschen jetzt glücklich sind und genau das tun, was sie sich seit Jahren wünschen oder sie unendlich mit Glück und Liebe erfüllt. Es erfüllt sie noch mehr mit Wärme, als der Gedanke das alle zu Hause die Zeit verbringen, nur weil Weihnachten ist und man diese Momente gemeinsam verbringen muss. Genauso wie sie ihr Sein einfach so sehr mit Liebe und Glück erfüllt, das sie diese Tage einfach so genießen kann, in dem Frieden und der Ruhe die sie ausfüllen und auch sich die Tage so gestalten lassen, wie es ihr am sinnvollsten erscheint, bevor sie danach gleich wieder in ihrem Alltag verschwinden muss und jeden Tag darauf aufpasst, das sie nicht untergeht in dem ganzen Treiben und der Schnelllebigkeit der heutigen Zeit.
Sie nimmt ihr Glas in die Hand und wünscht sich schöne Weihnachten und betrachtet lange ihren Baum wie er da in all dem Kerzenschein vor ihr steht und sie fühlt sich einfach frei und unendlich erfüllt mit allem was in ihr steckt und sie um sich hat.


© by Emma (19.12.2010)





Sonntag, 2. Dezember 2012

Geschichten des Lebens XLV – Wie sag ich es meinem Kind




Weihnachten wird es in diesem Jahr nicht geben!“, fertig Punkt aus.
Nein, dass kann sie nicht machen. Das wäre ein zu großer Schock für ihr Kind. Aber was soll sie sagen? Soll sie ganz hart sein und die Ängste schüren? Wessen Ängste? Sie hat doch selber panische Angst vor dem was kommen wird. Das ausgerechnet jetzt.
Es gibt kleine Auffälligkeiten auf dem Bild. Wir werden zur Sicherheit eine Biopsie durchführen. Aber machen sie sich keine Sorgen. Es ist nur Routine.“, hatten sie gesagt.
Leider müssen wir noch ein paar Gewebeproben nehmen, aber es ist nur zur Sicherheit. Also kein Grund zur Besorgnis.“, hatten sie beim nächsten Mal gesagt.
Ach da wird nichts schlimmes sein, sonst hättest du die Ergebnisse schon längst.“, hatte ihre Freundin gesagt und wollte mit den Worten beruhigen.
Alle haben ihr irgendetwas gesagt, aber am Ende muss sie da alleine durch. Keiner hat ihr gesagt, wie man sich keine Sorgen machen soll, wenn die Gefahr droht. Keiner hat ihr gesagt, wie sie mit der Angst leben soll. Keiner hat ihr gesagt, was kommen könnte. Alle haben versucht es runter zuspielen. Aber sie hat es gespürt. Ja, sie hat es gewusst.
Nur wie sage ich es meinem Kind? Wie sage ich meinem Kind, das ich bald nur noch eine Brust haben werde? Wie sage ich meinem Kind, das ich Krebs habe? Wie sage ich ihm, das ich Weihnachten nicht bei ihm sein kann? Das es nicht das Fest geben wird, wie er es kennt. Wie sage ich meinem Kind, das die Ärzte nicht wissen, wie es wirklich um mich steht? Wie sage ich meinem Kind, all diese ganzen Sachen, ohne dass er Angst haben wird? Angst vor mir. Angst vor dem Leben. Angst vor dem Krebs. Angst vor dem Sterben. Er musste schon oft miterleben, wie Menschen sterben. Er hat so viele Ängste, da kann ich jetzt nicht mehr sein. Ich muss ihn doch beschützen. Ich muss ihm Sicherheit geben. Ich muss eine Mutter für ihn sein. Nur wie kann ich eine Mutter sein, wenn ich diesen Kampf durchleben muss? Wie kann ich es schaffen, für ihn ein ganz normales Leben zu gestalten, ohne dass er etwas mitbekommt? Ich möchte, dass er eine wundervolle Adventszeit verbringen kann. Ich möchte für ihn da sein. Ich möchte für ihn die Geschenke unter den Weihnachtsbaum legen.
Aber wie?
Ich weiß es nicht.
Ich weiß es nicht.“

Sie ist so verzweifelt, weil sie Angst hat vor dem was kommen wird. Sie möchte keinen Schmerz und Kummer bereiten. Sie weiß aber auch ganz genau, das ihr Sohn etwas spürt. Das sie es nicht verheimlichen kann. Sie kann nicht einfach den Kampf aufnehmen, ohne dass er davon Bescheid weiß. Was wäre, wenn sie es nicht schafft? Wäre das nicht viel schlimmer? Sie war immer sehr offen und ehrlich zu ihm. Die schwierigsten Themen haben sie schon einmal besprochen. Also, wieso sollte er das jetzt nicht auch verstehen? Vor allem, wie soll er sonst verstehen, wenn sie lange im Krankenhaus ist? Wenn es ihr nicht gut geht? Wenn sie zusammen keine Plätzchen backen können oder er mit seinem Papa alleine unterm Weihnachtsbaum sitzt?

Alleine der Gedanke daran, dass sie jedem Moment dieses schwere Gespräch führen soll, lässt sie Schweißausbrüche bekommen.
Gleich nach dem Mittagessen spricht sie mit ihm und erklärt ihm ganz genau was los ist. Sie versucht es so genau und sachlich zu halten, wie es nur geht. All seine Fragen versucht sie zu beantworten. Sie ist sehr erstaunt darüber, wie erwachsen er mit dem Thema umgeht. Alleine dieses Erleben, zwingt sie gegen die Tränen anzukämpfen. Nein, sie möchte nicht vor ihm weinen. Sie weiß aber jetzt ganz genau das sie diesen Kampf, egal wie, überleben wird und spürt dies tief in ihrem Herzen, als der Kleine aufsteht, sie in den Arm nimmt und fest an sich drückt, während er ihr ins Ohr flüstert.
Das wird ein ganz tolles Weihnachten. Es ist egal ob hier oder in der Klinik. Wir werden Zusammensein.“

© by Emma Wolff (25.09.2012)




Sonntag, 25. November 2012

Geschichten des Lebens XLIV – Hier und Jetzt, Leben.




Tod und Geburt. Wenn ihr eines Bewusst wird, dann das dies noch näher beieinander liegen, als sie vor ein paar Jahren noch glaubte. In dem einen Moment bekommt sie die Nachricht, dass jemand gestorben ist und im nächsten Augenblick, werden Freunde endlich Eltern und präsentieren ihr das gerade geborene Kind. Freude und Trauer liegen neben einander und je älter sie wird, desto mehr nimmt sie das wahr. Nur mit dem Unterschied, das die Nachrichten von Verstorbenen immer häufiger erreichen, oder ist es ihr vorher nur nicht so bewusst aufgefallen?
Liegt es am Alter?
Jedenfalls gehen ihr die Todesanzeigen immer sehr nahe und es fällt ihr immer schwerer sich über die Geburt zu freuen. Zumindest kann sie es nicht so zeigen und teilen, wie sie es möchte. Natürlich freut sie sich über dies neu begonnene Leben, allerdings die Trauer über den Verlust von Menschen überwiegt so dermaßen, dass sie damit zu sehr beschäftigt ist. Selbst auf die Frage, wieso es so ist, hat sie schon lange eine Antwort gefunden. Es ist die Demut vor dem Leben und das Wissen um die Vergänglichkeit des Lebens. Die Vergänglichkeit der Zeit. Der Verfall des Daseins, ihres Seins. Jede dieser Botschaften gehen ihr durch Mark und Bein. Sie wundert sich noch nicht einmal mehr, warum alle in den letzten Monaten dieselbe oder eine ähnliche Ursache hatten. Ebenso, wie es sie nicht mehr wundert, dass die meisten von ihnen vorher Kerngesund waren. Und dennoch hat ihr Herz einfach aufgehört zu schlagen. Sei sind alle einfach entschlafen. Dadurch wurde ihr immer bewusster, das der Tod, vor nichts und niemanden halt macht. Erst recht nicht vor dem Alter.

Das macht ihr Angst und im ersten Moment lähmt es sie. Sie ist gelähmt, von der Nachricht, denn sie wurden immer jünger. Der Tod hatte ihr Alter erreicht, ebenso wie sie Angst davor hat, das sie das Leben nicht wirklich genutzt hat. Hat sie es genutzt so wie es vorhergesehen war, oder hat sie ihre Zeit in irgendwelchen Kämpfen verschwendet, die ihr meist selber Leid zufügen. Hat sie den Menschen und Wesen um sich herum auch die Liebe und Aufmerksamkeit zuteil kommen lassen, die sie brauchen, oder ist sie einfach über alles hinweg gegangen?

Heute fragt sie sich diese Fragen nicht mehr. Nein, sie versucht jede dieser Botschaften für sich zu nutzen und daraus mitzunehmen, was sie kann. Wobei ihr immer mehr bewusst wird, wie kostbar und wie wertvoll das Leben ist. Wie vergänglich und unberechenbar die Zeit ist.
Jedes Mal stellt sie sich dem Schmerz der Trauer und der Gehemmtheit, die die Angst ihr initiiert. Sie will darin nicht vergehen. Sie will leben. Sie will in der Angst nicht verharren, sondern die Zeit die ihr noch bleibt nutzen, da sie nicht weiß, wie viel es noch sein wird. Das Einzige was sie weiß ist, das sie auf viele Dinge keinen Einfluss hat und alles seinen Grund hat. Sie ist in der Gewissheit, dass in dem auch eine Aufgabe liegt. Sobald sie spürt, das sich etwas ändert, das sie etwas Ändern muss, das sie auf ihrem Weg abbiegen muss, dann nutzt sie die Möglichkeit, da die Zeit eben zu knapp und das Leben zu wertvoll ist. Das ist das Einzige was sie hat und das will sie nutzen.

Sie will Liebe schenken und teilen. Sie möchte die Aufgaben die sie finden, nehmen und nur ein erfülltes Leben führen. Sie besinnt sich auf das Notwendigste und den Sinn in ihrem Leben. Am liebsten möchte sie diese Erfahrungen an alle Menschen weitergeben. Nur das ist ihr nicht gegeben. Was ist ihr gegeben? Sie kann einfach nur da sein und kann versuchen zu helfen. Sie kann versuchen zu leben, in der Hoffnung, dass es immer mehr Menschen erkennen. Das sie erkennen, dass all ihre Ängste, geboren aus ihren Erfahrungen nur Gedanken und Projektionen sind. Das diese sie hemmen kontinuierlich wahrhaft zu leben und zu lieben. Das sie die Möglichkeiten des Lebens und der Liebe einfach nutzen und nicht die Angst, die so genannte Vernunft all das nimmt, was sie erfüllt.
Ja, das weiterzugeben. Die Menschen mit Augenblicken zu erfreuen. Ihnen Liebe zu schenken und die Aufgaben die sich in dem Moment des Lebens stellen, zu nehmen. Die Zeit zu nutzen. Einfach, Hier und Jetzt zu leben.


© by Emma Wolff (25.09.2012)






Sonntag, 18. November 2012

Geschichten des Lebens XLIII – Wolken




Er liegt auf der Wiese und nichts was ihn vorher noch beschäftigte, all seine Sorgen und Probleme sind für diesen kleinen Augenblick wie weggeblasen. Er liegt auf dem Rücken und hat die Arme im Nacken verschränkt. Er schaut den Wolken am Himmel zu. Immer einmal taucht ein Gedanke auf, den er aber auch gleich wieder beiseite schiebt, denn er möchte jetzt einfach nur hier liegen und sein. Alles scheint ganz frei und gelöst. Jeder einzelne Augenblick, jeder gemachte Atemzug, scheint ihn mehr und mehr mit Leben zu durchströmen. Eine Stille und Weite breitet sich in ihm aus, das er das Gefühl hat, durch die Wolken zu tanzen.

Er gibt sich dem ganz und gar hin. Er hat das Gefühl, ganz im Leben, ganz bei sich und ganz geerdet zu sein. Die Wolken ziehen einfach, wie einzelne Gedanken an ihm vorbei.
Mit einem Mal, sieht er ganz deutlich Antworten vor sich. Antworten von Fragen, die ihn vorher einfach nur geplagt haben. Die Gedanken die ihn sonst leiden haben lassen, sind verschwunden. In den Wolken findet er den Spiegel des Augenblicks und des Lebens wieder. Einen Spiegel der deutlicher nicht mit ihm sprechen könnte. Er gibt sich diesem Gespräch, dem Dialog mit den Wolken hin und lässt es geschehen, ganz in der Stille die in ihm wohnt und mit Leben erfüllt. Immer deutlicher wird ihm bewusst, das alles was ihn so sehr plagte, Nichts ist. Nur eine Illusion. All sein Leid ist von ihm selber geschaffen. Die Wolken spiegeln so wundervoll jeden einzelnen Augenblick wieder. Es ist nicht zu vergleichen mit dem was war und mit dem was kommen wird. Denn kein Augenblick des Erlebens ist gleich. Was kann dies besser und deutlicher zeigen, als die Wolken am Firmament, die sich zu monströsen Ungetümen aufbauen, Angst einflößen und aufweisen, wenn Gefahr droht. Gleichzeitig können sie uns immer so viel Transparenz bieten, das Licht zum erkennen hindurch scheint. Immer so viel, das wir nicht fallen können. Aber, wir Menschen sind so mit uns selber beschäftigt, dass wir das nicht wahrnehmen können. Wir können nicht erkennen, was im Leben ist, da wir uns immer wieder unseren Illusionen hingeben. Gleichsam in der Nacht. Sie ist dafür da, das wir uns ausruhen, denn der Fluss des Lebens geht trotz allem weiter. Es ist ein ständiger Prozess, dem wir uns nicht verwehren können. Wir können ihn nur leben, und das bedingungslos. Alles was wir brauchen haben wir. Wir müssen es nur erkennen und nutzen. Alles ist Vergänglich und stirbt sofort wieder. Also, warum sollten wir uns Leid zufügen, nur weil dunkle Wolken am Himmel sind. Es erscheint dann so sinnlos, wie wir Menschen sind. Wir geben uns nicht mit dem Zufrieden was wir haben. Immer soll alles anders sein als es in dem gegenwärtigen Moment ist, statt es so zu leben wie es Jetzt ist.

Ja, der Spiegel des Lebens. Die Wolken, sie haben ihn in diesem Moment und jedem einzelnen Augenblick den er da lag und sie beim vorbeiziehen beobachtet hat unendlich beschenkt und alle seine Gedanken und Sorgen die ihm vorher Leid zugefügt haben, mit sich gezogen.
Ein Dialog der nicht der Letzte gewesen sein wird, dessen ist er sich ganz sicher.



© by Emma Wolff (25.09.2012)







Sonntag, 11. November 2012

Geschichten des Lebens XLII – Der letzte Tag




Ihre Augen brennen. Ihr Kopf schmerzt. Sie fängt immer wieder an zu weinen. Sie möchte schlafen, nicht weinen. Sie spürt den Atem ihrer Mutter, die vor Erschöpfung eingeschlafen ist. Ihr Blick fällt zum Dachfenster hinaus und sieht die letzten Sterne der Nacht an. Alles in ihrem Kopf ist leer. Sie verspürt nur diesen unsagbaren Schmerz in ihrer Brust. Sie kann nicht glauben was geschehen ist. Sie weiß nicht, ob sie wütend sein soll oder ob sie einfach nur weiter weinen soll. Alles was geschehen ist, darf nicht wirklich sein. Das wünscht sie sich so sehr.
Sie möchte jetzt am liebsten allem entfliehen und hoch zu den Sternen fliegen. Vielleicht kann sie dann auch Antworten finden. Sie möchte alles ungeschehen machen? Aber was? Sie weiß doch nichts. Eigentlich müsste er jetzt hier sein und nicht auf irgend so einem Stern.
Sie spürt wie die Wut in ihr hochsteigt und gleichzeitig überfällt sie die Angst. Die Tränen steigen ihr wieder in die Augen und ihr Blick auf die Sterne verschleiert sich. Der Schmerz über den Verlust erscheint ihr unerträglich. Wie soll sie das überleben? Vielleicht muss sie das ja auch nicht, denn dann wäre sie wieder bei ihm.
Aber ihre Mama? Was soll dann aus ihrer Mama werden? Sie spürt wie die Tränen über Wange laufen und sie der Schmerz rütteln möchte. Sie möchte ihre Mutter nicht aufwecken, deswegen versucht sie ihr Schluchzen zu unterdrücken.

Vor ihrem geistigen Auge erscheinen die letzten Momente des gemeinsamen Erlebens.
Er stand auf der Straße, lachte und winkte ihr zu. Sie wollte mit ihre Mutter nur noch etwas holen und danach wollten sie in Urlaub fahren. Sie freute sich so sehr auf diese Zeit. Er sah auch so glücklich aus. Sie konnte die Zeit kaum abwarten und als sie zurückkamen, war er nicht mehr da. Er war einfach eingeschlafen. Ist einfach nicht mehr da, einfach weg.
So vieles wollten sie noch machen.
Sie hat mitbekommen, wie einige sagten, das sie ja kein kleines Kind mehr ist und das schon schaffen wird. Ja. Sie ist kein kleines Kind mehr, aber sie ist noch ein Kind. Wie soll sie ohne ihren Vater Groß werden?
Sie spürt wie ihre Mutter sie wieder ganz nah an sich ran zieht. Das tut gut. Sie fühlt sich dadurch nicht ganz so alleine auf dieser Welt. Allmählich lassen auch die Tränen wieder nach und sie kann die Sterne wieder erkennen.
Vielleicht sitzt er jetzt da oben und schaut auf mich herab. Vielleicht ist er jetzt mein Engel, der immer für mich da ist.“
Es ist, als würde sie ihn noch einmal ganz nahe bei sich spüren.
Wie der Morgen langsam anbricht, ist auch in ihr für eine Weile Frieden eingekehrt und sie schläft sanft ein, ohne die Gedanken an den hereinbrechenden Tag.


© by Emma Wolff (24.09.2012)




Sonntag, 4. November 2012

Geschichten des Lebens XLI – Liebe in der Vergänglichkeit




Mama, was ist denn los? Warum stehst du am Fenster? Ist da was Besonderes?“ hört sie im Hintergrund fragen.
Sie schüttelt nur mit dem Kopf. „Nein, ich schaue einfach nur aus dem Fenster und betrachte die Natur. Die Sonne wird bald untergehen.“
Ihren Blick lässt sie die ganze Zeit aus dem Fenster schweifen. Sie wird wie in einen Bann gezogen. Nur der Moment und sie. Die Sonne, die alles in ihr so warmes Herbstlicht eintaucht und noch prächtiger erscheinen lässt. Die Farben des Laubes machen sich in kaum geahnter Intensität breit. Sie holt ganz tief Luft. Eine Backsteinmauer, die ihr Auge nur aus einem Winkel heraus erfasst, leuchtet in einem wundervollen Karminrot. Niemals zuvor hat sie Weinranken an dem Gestein bemerkt. Ranken die in ihrem tiefen Rot noch intensiver strahlen, dass sie sich regelrecht von dem Rot der Wand abheben und ihr damit ins Auge stechen. Sie atmet ganz tief ein und kann es kaum glauben, dass ihr das vorher noch nie aufgefallen ist. So viel Schönheit direkt vor ihren Fenster. Sie hat es vorher noch nie so wahrgenommen, dass es sie im Innersten verharren lässt und berührt.
Sie verspürt immer mehr, wie sich ihr Herz dieser Schönheit öffnet, ebenso wie sie den Blick weiter über die Landschaft und den Horizont schweifen lässt. Durch das immer wärmer scheinende Licht der untergehenden Sonne, schimmern die Kronen der Bäume in goldenen Tönen über ihren Blick. Manche tauchen in eine tiefes Rot und wieder andere schimmern golden gelb. Sie beobachtet wie der Wind immer wieder durch die Äste fährt und einzelne Blätter mit sich zieht, sie regelrecht im Licht und Schimmer, in all ihren unterschiedlichen Nuancen der Rottöne vor ihr tanzen lässt. Als würde die Sonne eine Melodie singen und die Blätter tanzen im Einklang der Zeit mit dem Wind. Sei saugt alles immer mehr in sich auf. Das Wissen, das eine kalte und ruhige Zeit über alles hereinbrechen wird und gleichzeitig eine versteckte Sehnsucht die über sie hereinfällt. Eine Sehnsucht nach Liebe, die sie zwar in diesem Moment verspürt, jedoch für sich alleine, in sich tragen muss und die Sehnsucht nach seiner Nähe. Sie schließt für einen Atemzug die Augen, möchte alles noch intensiver in sich aufnehmen, um es lange in ihrem tiefsten Inneren, dem Herzen zu speichern, um diese Schönheit und diese Liebe in sich zu tragen, da sie weiß, dass sie diesen Anblick jetzt zwar für sich alleine hatte, jedoch das Gefühl jederzeit weitergeben kann.
Die Liebe ist ein Teil von ihr, geboren in ihr. Sie weiß der Zeitpunkt wird kommen und dann kann sie es mit ihm teilen. Solange trägt sie es in ihrer Brust und lässt die Sehnsucht für diesen kleinen Moment zu. Ihre, diese Liebe, in und mit der Vergänglichkeit des Lebens.


© by Emma Wolff (24.09.2012)



Sonntag, 28. Oktober 2012

Geschichten des Lebens XL – Einen kleinen Moment ausruhen




Einen kleinen Moment ausruhen. Einfach nur hier hinsetzen und nichts tun. Ja, das ist es, was ihm jetzt gut tun würde. Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte er sich das nicht zugestanden. Zu sehr war er damit beschäftigt, Terminen hinterher zu jagen oder es anderen Menschen Recht zu machen. Immer mehr wird ihm jetzt bewusst, dass es nicht gut für ihn und seine Familie war. Alles blieb auf der Strecke. Alle mussten darunter leiden. Sie litten nicht, weil es ihnen schlecht ging. Ganz im Gegenteil, denn sie haben alles, was sich die meisten Menschen wünschen und das im Überfluss. Nein, sie litten wegen mangelnder Zeit. Jedoch noch viel mehr litten sie darunter, wie er sich für diese Illusion und für den Materialismus zu Grunde richtete. Nur wofür? Für ein Leben welches ihn nicht wirklich erfüllt. Er erkennt immer mehr, für wie viel Schönheit seine Augen einfach Blind waren. Er muss deutlich feststellen, dass das was ihn glücklich macht nicht zu kaufen ist. Das der wirklich wahre Luxus die Zeit, die Achtsamkeit für sich und seine Umwelt ist. Momente in denen er einfach sein kann, so wie jetzt in diesem Augenblick.
Er hätte sich niemals träumen lassen, alle seine Vorsätze über Bord zu werfen, um ein Leben zu führen, welches im Außen nur belächelt wird oder ganz und gar verachtet wird. Er macht nur noch Aufgaben die ihn erfüllen. Er hat Zeit und nimmt sich diesen Luxus des Lebens einfach heraus, denn er möchte nicht so enden wie viele andere Menschen, die er sehr geliebt hatte. Aber jetzt, wo sie nicht mehr da sind, muss er erkennen, dass sie ihr Leben nie wirklich gelebt haben. Sie sind stetig nur irgendwelchen Wunschbildern und Erwartungen hinterher gerannt. Am Ende aber, haben sie sich selbst zerstört. Alleine das pure Beobachten dessen, war für ihn unerträglich. Er konnte nicht umhin zu erkennen, dass er es allen gleich tat.
Sofort musste eine Veränderung her. Es war nicht einfach. Nicht nur, weil die Strukturen in der er sich befand zerbrachen, sondern auch das Ego sich sehr stark meldete und nach seiner Bestätigung suchte. Es rief erst einmal die ganzen existenziellen Ängste auf den Plan. Gleichzeitig traf er auch auf sehr viel Unverständnis in seiner Umwelt. Viele Menschen musste er ziehen lassen. Obgleich er es sich vor ein paar Wochen nicht hätte Träumen lassen, er fühlt sich jetzt besser so wie es ist. Er fühlt sich erleichtert und freier mit dem was er hat und vor allem, ohne Menschen die ihm sagen, was er alles besitzen müsste oder was er zu tun und zu lassen hatte. Ohne Menschen, die ihre Erwartungen auf ihn projizieren wollen.
Er ist so dankbar für all das was er hat. Die Menschen die ihn lieben und diesen Weg begleiten. Er ist noch dankbarer, für das Leben, welches er hat und jetzt nach und nach immer mehr lebt und genießt. Jeden Tag geht er ein Stück weiter. Jeden Tag kommt er immer mehr bei sich an. Fernab von den Illusionen. Ganz da, wo er ist, bei sich im Leben. Jeden Tag kann er aufs Neue erkennen, das es nichts gibt wovor er Angst haben muss, nur um zu Leben und von den Menschen umgeben zu sein, die er aus der Tiefe seines Herzens liebt. All diese bedingungslose Liebe die er bekommt und in sich verspürt, erscheint ihm das größte Geschenk des Lebens zu sein. Jeden Tag entkommt er immer mehr dem Leid und sieht die Aufgaben, die ihn umgeben. Die Aufgaben, die ihn erfüllen und genau das bringen was Notwendig ist für ihn und seine Lieben. Mehr braucht er nicht.
Genau deswegen, kann er sich jetzt auch auf diese Bank setzen, tief Luft holen, den Moment einfach auf sich wirken lassen und überwältigt sein, von der Vielfalt der Farben, die ihn umgibt. Die Farben der Natur und des Herbstes. Die Farben und die Schönheit der Vergänglichkeit des Lebens, die er in solch einer Intensität nie bewusst wahrgenommen hat. Er saugt es regelrecht in sich auf, all die Schönheit die er sieht und weiß, das sie in ihm noch lange bestehen wird. Ein Teil der Vergeht, weil es ein Ende hat und ihm zugleich noch genauer den Neubeginn aufweist und den Weg seines Lebens, den er gerne geht, da er genau spürt, das er jetzt nach vielen Irrwegen auf den rechten Wegen ist und sie einfach nur weitergehen muss.
Er spürt das noch sehr viel Schönes unbekanntes ihn erwarten wird. Das es auch hier Hindernisse geben wird, aber er liebt so sehr, das er einfach nur gehen und leben will. Fortan, ganz bei sich, in diesem Frieden, ohne eine Suche, einfach Leben.

© by Emma Wolff (24.09.2012)



Sonntag, 21. Oktober 2012

Geschichten des Lebens XXXIX – Musik des Herzens




Eine Stimme, die unendlich tief durch sie hindurch strömt und in jeder Faser ihres Körpers zum Schwingen kommt. Ein Beat, der es ihr nur sehr schwer macht, einfach nur zu sitzen. Ein Rhythmus aus dem Sein ihres  Herzens öffnet jede Emotion die in ihr lebt. Schmerz, Freude, Leid, Glückseligkeit, Traurigkeit, doch vor allem, die Liebe zu dem was in ihr zu Leben beginnt. Wie in einem Rausch der Gefühle lässt sie sich in den Klängen fallen. Schritt für Schritt ist in ihr alles Leer und nur noch mit Leben gefüllt. Sie schließt die Augen und verliert sich in Zeit und Raum, um eins zu werden mit allem was sie umgibt. Eine wiederkehrende Hingabe der Gegebenheit. Stille und Inspiration in einem. Alles was in ihr ist sprudelt aus ihr heraus. Sie muss mich bewegen. Wie ein Sufi, drehe sie sich im Kreis und spürt die pure Lebensfreude und Leichtigkeit des Seins. Die ganze Welt könnte sie umarmen. Ja, sie tragen, nur um ihr ein kleines Stück von dem wieder zu geben, was ihr alles geschenkt wurde. All die Energie fließt weiter durch sie hindurch.
Sie ist so sehr bei sich, dass ihr wieder einmal klar wird, dass es keine Fragen gibt, sondern nur Antworten. Dass es keine Probleme gibt, sondern nur ihre Gedanken Probleme machen, denn eigentlich gibt es nur Lösungen, die sie ganz genau vor sich sieht, wenn sie die Gedanken loslässt und ganz im Rhythmus der Musik, dem Schlag ihres Herzens folgt und einfach nur ist. Einfach nur sein in der Liebe die sie erfüllt und aus ihr heraussprudelt. Musik des Herzens die sie teilen muss und möchte. Nein, sie erträgt dieses Glück nicht alleine. Es muss geteilt sein mit dem Menschen den sie liebt. Gibt es eine schönere Form, die Liebe zu zeigen, als das Herz sprechen zu lassen, genau dann, wenn man es nicht erwartet, des anderen seine Liebe und Wärme zu spüren. Wie sehr sehnen sich die Menschen doch nach Liebe. Ja, sie muss ihm zeigen, dass sie ihn Liebe, obgleich er es weiß. Es kann aber nicht oft genug gesagt und gezeigt werden, wie wertvoll alles ist was sie hat. Wie dankbar sie für all das ist, obgleich es von außen betrachtet nicht viel ist. Jedoch es erfüllt sie voll und ganz und macht sie glücklich.
Das will und muss sie teilen. Teilen mit ihm und der ganzen Welt. Nur wie?
Sie schreibt ihm einen Brief. Ja, das ist eine gute Idee. Aber die wirkliche Größe von dem was in ihr wohnt, zeigt es nicht. Die Musik, die Klänge, der Rhythmus fließen weiterhin durch sie. Sie kann nicht anders als zu ihrer Gitarre zu greifen und alles was in ihr ist heraus zu lassen. All die Liebe und Leichtigkeit, all die Kraft und Energie die durch sie strömt kommt zum tragen.
Ja, das soll es sein. So setze sie sich hin und schreibt alles Note für Note auf, um ihm dies mit einem Brief zukommen zu lassen, als kleine Botschaft ihrer Liebe, ihres Glückes am und im Leben, bis sie sich wieder sehen und sie ihm die Klänge ihres Herzens zeigen und spüren lassen kann.

© by Emma Wolff (10.9.2012)