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Sonntag, 27. März 2016

Ostersonntag


Er schlägt die Augen auf und spürt ganz genau, dass heute ein ganz besonderer Tag werden wird. Voll Erwartungen springt er aus dem Bett, zieht sein Rollo nach oben und kann seinen Augen kaum trauen. Alles ist mit Schnee bedeckt. Vereinzelt kann er einige Krokusse darunter entdecken und auch auf den Bäumen sieht er noch etwas grün. Dennoch, es kann nicht sein. Es ist doch Frühling. Ganz aufgeregt rennt er ins Schlafzimmer.
„Mama, alles ist weis! Es hat geschneit!“, ruft er ganz aufgeregt.
Seine Mutter weiß, dass er jetzt keine Ruhe geben wird, bis sie aufsteht und so stellt sie sich ans Fenster und schaut mit ihm gemeinsam die weiße federleichte Schicht auf der Natur an.
„Weißt du mein Schatz, in dieser Zeit des Jahres ist es normal, das es noch einmal schneit. Aber, wenn du ganz genau hinschaust, dann kannst du sehen das es auch schon wieder taut. Siehst du die Tautropfen, dort an dem Ast und auch die Blumen wirst du in kurzer Zeit wiedersehen.“
Der Kleine schaut auf all die Stellen die seine Mutter ihm gezeigt hat und nickt. Sie legt die Hand auf seine Schulter und spricht ganz ruhig, „Komm lass uns Frühstück machen und glaube mir heute wird noch ein ganz schöner Tag für dich werden.“
Nach dem Frühstück verschwindet der Kleine wieder in seinem Zimmer. Er möchte seiner Mama ein schönes Osterbild malen, aber das soll jetzt noch sein Geheimnis sein. Irgendwann schaut seine Mutter zur Tür hinein und erzählt ihm wie der restliche Tag geplant ist. Irgendwie findet er das alles schön, denn er freut sich darauf das
er die ganze Familie sehen wird.
Gleich nach dem Mittagessen machen sie sich fertig zum spazieren gehen. Er sucht seinen Schal, die Mütze und seinen dicken Anorak. Seine Winterstiefel hat er schon aus dem Schrank geholt. Seine Mutter schmunzelt und nimmt ihm schweigend die Sachen wieder ab. Er versteht das nicht. „Wieso? Es hat doch geschneit?“, fragt er sie leicht verwirrt.
„Ja, es hatte geschneit. Aber hast du denn nicht wieder aus dem Fenster geschaut? Die Sonne ist herausgekommen und so warm das alles weggetaut ist. Die Blumen
haben sich wieder geöffnet. Schau einfach selber nach. Es ist wundervoll warm und ein schöner Frühlingstag. Da brauchen wir keine Wintersachen.“
Während sie die Sachen wieder zurück hängt, rennt er zum Fenster und will selber schauen, ob es wirklich so schön ist, wie seine Mutter ihm gesagt hat. Sie laufen eine große Strecke und ein Stück geht es durch den Wald. Er rennt über Stock und Stein und die schönsten von ihnen muss er mitnehmen für seine Sammlung. ‚Wer weiß schon, wofür er es noch einmal gebrauchen kann.’ Er genießt diesen Ausflug und die Sonne scheint so sehr, dass ihm sogar in der etwas dünneren Kleidung fast zu warm ist. Sie laufen so, dass sie wie in einem Kreis laufen und sie irgendwann wieder zu Hause ankommen. Als er den Garten betritt kommt es ihm komisch vor. Irgendetwas stimmt hier nicht und als er genauer hinschaut sieht er, dass bunte Farben in dem Grün schimmern. Jedoch weiß er, dass dies keine Blumen sind. Seine Neugier ist riesengroß und so forscht er nach, was es sein könnte. An der ersten Stelle findet er ein buntes Ei. Er ist so aufgeregt, das er sich nicht traut es heraus zunehmen. So schnell wie er kann rennt er seiner Mutter entgegen und zieht sie am Arm. „Mama, Mama, schau mal der Osterhase war da.“
Sie muss sehr schmunzeln und geht ihm hinter her. Er deutet auf die Stelle, an der er das Ei gefunden hat. „Da schau! Siehst du das?“, fragt er sie.
Sie nickt. „Ja, möchtest du es nicht haben? Vielleicht findest du ja auch noch mehr? Wer weiß das schon.“
Seine Augen beginnen zu strahlen und zu leuchten und er rennt freudeschreiend und laut lachend durch den Garten. Er ist so aufgeregt, das es ihm sehr schwer fällt wirklich zu suchen. Seine Mutter setzt sich so lange auf die Treppe und genießt den Augenblick des Beobachtens, als hinter ihr auf einmal die Türe aufgeht, während der Kleine in diesem Moment auch schon wieder ein Fundstück zu ihr trägt. „Oma! Opa! Schaut mal, der Osterhase war da!“ und freudig zeigt er schon die paar Sachen die er gefunden hat, bevor sich alle herzlich begrüßen. Noch eine Weile ist der Kleine damit beschäftigt, all seine Sachen zu suchen und sein Großvater hilft ihm dabei. Die Frauen sitzen weiter in der Sonne und genießen all dieses Treiben. Nach einer Weile kehrt aber immer noch keine Ruhe ein. „Was ist wenn ich etwas nicht gefunden habe?“, sagt der Kleine und sucht stetig weiter. Selbst den Worten der Mutter kann er nur schwer trauen, doch gibt er nach einer weiter Suche auf, da sie erfolglos war.
All seine Sachen legt er in einen Korb und geht mit den anderen hinein. ‚Jetzt hat er aber Hunger.’ Seine Oma hat einen Kuchen mitgebracht und während er isst,
lässt er die ganze Zeit sein Osterkörbchen nicht mehr aus den Augen. Alle lachen sehr viel und Unterhalten sich. Er denkt noch einmal an die Erlebnisse
des Tages und kann nur feststellen, ‚Ja, die Mama hat recht gehabt. Heute war ein wunderschöner Tag.“

© by Emma Wolff (17.3.2012)





Sonntag, 16. Dezember 2012

Geschichten des Lebens XLVII – Der Weihnachtsmann



Mama“, ruft Anton zur Tür herein, „ich möchte jetzt nicht gestört werden. Ich muss jetzt meinen Wunschzettel schreiben.“
Seine Mutter schaut ihn nur nickend mit großen Augen an und sieht wie der kleine Junge die Türe zu seinem Zimmer hinter sich schließt, gefolgt von einem schmunzeln, da es sein erster selbst geschriebener Brief an den Weihnachtsmann sein wird, da er ja gerade erst das schreiben lernt. Von seinem Schreibtisch nimmt Anton sich einen Malblock und seine ganzen Stifte, setzt sich auf den Boden und überlegt, was er sich denn alles wünscht. Er ist so aufgeregt und kann es kaum noch erwarten bis der Weihnachtsmann kommt. Als er eine Idee hat, beginnt er auch sofort in Lautschrift zu schreiben, so wie er es in der Schule bisher gelernt hat.

LIBR WEINACHZMAN.
ECH WÖNSCHE MIA SO WEINACHDEN EIN FOASCHONKSSCHBIL.
ONT EIN

Auf einmal hört er auf zu schreiben, weil die Aufregung und die vielen Gedanken ihn einfach nicht zur Ruhe kommen lassen. „Gibt es überhaupt den Weihnachtsmann?“, denkt sich Anton weiter, „Ich habe ihn noch nie gesehen. Zumindest habe ich nie gesehen wie er die Geschenke bringt. Meine Wünsche gebe ich ja auch immer an Mama oder Oma weiter. Wie kann ich nur herausbekommen ob es ihn wirklich gibt oder nicht?“
Er grübelt eine Weile noch vor sich hin und malt so ganz nebenbei. Der Wunschzettel ist erst einmal wieder in Vergessenheit geraten.
Am nächsten Morgen bringt ihn seine Mutter so wie jeden Tag zur Schule. Kurz bevor er in den Klassenraum geht, stellt er fest, das er unbedingt jetzt noch mit seiner Mutter über seinen Plan reden muss, wie er es vielleicht schaffen kann, den Weihnachtsmann direkt am Heiligenabend zu sehen.
Ach Mama, ich möchte zu Weihnachten nicht in die Kirche gehen!“ stellt er so in den Raum.
Seine Mutter stutzt sehr und fragt, „Wieso denn nicht? Du gehst doch sonst gerne in die Kirche!“
Na, wenn ich nicht in die Kirche gehe, dann kann ich sehen wie der Weihnachtsmann meine Geschenke bringt.“ baut er sich vor ihr auf.
Seine Mutter musste sehr grinsen. „Du warst doch letztes Jahr schon nicht in der Kirche, genau aus diesem Grund. Und hast du den Weihnachtsmann gesehen?“ Anton überlegt einen kurzen Moment. „Ja! Nein! Ja.“, stammelte er und musste ihr zustimmen, als er feststellte, das sein Plan damals gescheitert war. Also grübelte er angestrengt weiter, während er seine Jacke auszog. Auf einmal erhellt sich sein Gesicht wieder. Jetzt weiß er warum er im letzten Jahr den Weihnachtsmann nicht sehen konnte. Das soll ihm dieses Jahr nicht mehr geschehen.
Ok, dann gehe ich in diesem Jahr nicht in die Kirche und auch nicht baden!“,
entgegnet er triumphierend, dreht sich ohne ein weiteres Wort abzuwarten auf dem Absatz um und verschwindet in seinem Klassenzimmer.
© by Emma Wolff (2.12. 2010)





Sonntag, 11. November 2012

Geschichten des Lebens XLII – Der letzte Tag




Ihre Augen brennen. Ihr Kopf schmerzt. Sie fängt immer wieder an zu weinen. Sie möchte schlafen, nicht weinen. Sie spürt den Atem ihrer Mutter, die vor Erschöpfung eingeschlafen ist. Ihr Blick fällt zum Dachfenster hinaus und sieht die letzten Sterne der Nacht an. Alles in ihrem Kopf ist leer. Sie verspürt nur diesen unsagbaren Schmerz in ihrer Brust. Sie kann nicht glauben was geschehen ist. Sie weiß nicht, ob sie wütend sein soll oder ob sie einfach nur weiter weinen soll. Alles was geschehen ist, darf nicht wirklich sein. Das wünscht sie sich so sehr.
Sie möchte jetzt am liebsten allem entfliehen und hoch zu den Sternen fliegen. Vielleicht kann sie dann auch Antworten finden. Sie möchte alles ungeschehen machen? Aber was? Sie weiß doch nichts. Eigentlich müsste er jetzt hier sein und nicht auf irgend so einem Stern.
Sie spürt wie die Wut in ihr hochsteigt und gleichzeitig überfällt sie die Angst. Die Tränen steigen ihr wieder in die Augen und ihr Blick auf die Sterne verschleiert sich. Der Schmerz über den Verlust erscheint ihr unerträglich. Wie soll sie das überleben? Vielleicht muss sie das ja auch nicht, denn dann wäre sie wieder bei ihm.
Aber ihre Mama? Was soll dann aus ihrer Mama werden? Sie spürt wie die Tränen über Wange laufen und sie der Schmerz rütteln möchte. Sie möchte ihre Mutter nicht aufwecken, deswegen versucht sie ihr Schluchzen zu unterdrücken.

Vor ihrem geistigen Auge erscheinen die letzten Momente des gemeinsamen Erlebens.
Er stand auf der Straße, lachte und winkte ihr zu. Sie wollte mit ihre Mutter nur noch etwas holen und danach wollten sie in Urlaub fahren. Sie freute sich so sehr auf diese Zeit. Er sah auch so glücklich aus. Sie konnte die Zeit kaum abwarten und als sie zurückkamen, war er nicht mehr da. Er war einfach eingeschlafen. Ist einfach nicht mehr da, einfach weg.
So vieles wollten sie noch machen.
Sie hat mitbekommen, wie einige sagten, das sie ja kein kleines Kind mehr ist und das schon schaffen wird. Ja. Sie ist kein kleines Kind mehr, aber sie ist noch ein Kind. Wie soll sie ohne ihren Vater Groß werden?
Sie spürt wie ihre Mutter sie wieder ganz nah an sich ran zieht. Das tut gut. Sie fühlt sich dadurch nicht ganz so alleine auf dieser Welt. Allmählich lassen auch die Tränen wieder nach und sie kann die Sterne wieder erkennen.
Vielleicht sitzt er jetzt da oben und schaut auf mich herab. Vielleicht ist er jetzt mein Engel, der immer für mich da ist.“
Es ist, als würde sie ihn noch einmal ganz nahe bei sich spüren.
Wie der Morgen langsam anbricht, ist auch in ihr für eine Weile Frieden eingekehrt und sie schläft sanft ein, ohne die Gedanken an den hereinbrechenden Tag.


© by Emma Wolff (24.09.2012)




Sonntag, 7. Oktober 2012

Geschichte des Lebens XXXVII – Wolken fliegen




Wir müssen noch warten hat seine Mutter gesagt. Irgendwie kann und möchte er das nicht verstehen. Sie hatten doch einen Termin? Wieso soll er jetzt noch warten? Er will nicht hier sein. Er will nicht warten. Es nervt ihn.
Nun soll er auf einem Stuhl sitzen und warten. Das will er nicht.
Er schaut sich im Raum um. Da ist aber nichts was ihn interessieren könnte. Also beobachtet er seine Mutter und schaut zu wie sie sich eine Zeitschrift aus dem Regal nimmt und einfach zeitvertreibend in dieser Blättert. So schnell wie das geht, kann es nicht sein das sie darin liest. „Sie schaut garantiert nur die Bilder an.“, stellt er für sich fest. Er weiß, dass seine Mutter sonst nie solche Zeitschriften liest. Es langweilt ihn so sehr hier zu sitzen, nur weiß er, dass seine Mutter nicht einfach so wieder gehen würde. Ebenso wie er auch weiß, dass er sich eher Ärger einhandelt, wenn er jetzt meckert und jammert. Seine Mutter mag das nicht. Vor allem in solchen Situationen, die sie nicht ändern kann. Also schaut er abermals im Raum herum und betrachtet alles ganz genau. Nur irgendwie will die Zeit nicht vergehen. Es bleibt ihm nichts anders übrig, als weiter zu warten.

Er steht auf und geht zum offenen Fenster. Er legt seine Arme auf die Fensterbank, verschränkt seine Hände und legt ganz vorsichtig sein Kinn darauf. Er beobachtet wie die Bäume sich durch den Wind bewegen. Sie sind schon nicht mehr ganz so grün. Einige von ihnen haben schon farbige Blätter. Hin und wieder sieht er, wie diese von den Bäumen fallen, durch den Wind nach oben getrieben werden, herumwirbeln um dann irgendwann ganz sanft zu Boden fallen. Immer wieder betrachtet er einzelne tanzende Blätter in der Luft. Er möchte irgendwann auch einmal fliegen können. Eigentlich findet er es sehr schade das Menschen nicht fliegen können, so wie die Vögel. Ohne in einem Raum zu sein, ohne eine Maschine, so wie es diese Blätter tun. Einfach fliegen und schweben und den Wind direkt auf der Haut spüren. Er würde sich als aller erstes die Stadt von oben anschauen. Er möchte sein Haus einfach mal von oben sehen. Die Wege, die er jeden Tag läuft mal abfliegen. Ja, das wäre schön. Er stellt sich aufrecht vor das Fenster, breitet die Arme aus und schließt die Augen. Hin und Wieder kann er den Wind spüren. Er holt ganz tief Luft. Mit einem Mal fühlt sich alles ganz anders an. Er spürt den Boden unter seinen Füßen nicht mehr und es ist als würde ihn etwas nach oben ziehen. Ihm wird etwas komisch zu Mute und öffnet ganz schnell die Augen. Sofort bemerkt er, dass er schwebt und immer höher treibt. Wie in einem Fahrstuhl wird er von der Luft ganz sachte immer weiter nach oben gedrückt. Er ist so fasziniert und vor Freude verblüfft, dass er nur noch staunen kann. Er fliegt.
Endlich, fliegt er in den  Himmel zu den Wolken. Endlich geht sein größter Traum in Erfüllung. Auf einer Wolke hört seine Reise nach oben auf. Er kann sich ganz beruhigt auf ihr nieder lassen. Er legt sich auf seinen Bauch, legt wie auf der Fensterbank seinen Kopf auf seine verschränkten Hände und schaut nach unten. So gleitet er hoch oben sanft auf der Wolke den blauen Himmel entlang und kann die Dächer der Stadt von oben betrachten. Er liegt einfach nur da und schaut zu, wie alles an ihm vorbei zieht. Seine Augen strahlen und er ist so begeistert, das Alles noch schöner aussieht, als er es sich vorgestellt hatte.

Mit einem Mal erschrickt er, da er eine Hand auf seiner Schulter spürt. Und ganz dumpf im Hintergrund hört er die Stimme seiner Mutter. „Na bist du wieder am Träumen? Das Warten ist zu Ende. Du bist jetzt dran.“
Ja, er hat geträumt, aber es war ein so schöner Traum, das er nichts anderes sagen kann als... „Eines Tages werde ich zu den Wolken fliegen.“

© by Emma Wolff (31.8.2012)



Sonntag, 22. Juli 2012

Geschichten aus dem Leben XXVI – Kunst malen




„Mama ich darf ich malen?“ fragt der Kleine aufgeregt seine Mutter.
„Ja natürlich darfst du malen.“ antwortet sie verwundert, weil sie nicht gewohnt ist, dass sie gefragt wird, bevor er solch eine Aktivität beginnt.
„Ich brauche aber richtig gute Farben und auch eine Leinwand.“, meint er weiter.
Sie ist noch verdutzter und möchte dem auf den Grund gehen, deswegen fragt einfach nach. „Wozu brauchst du denn diese ganzen Sachen? Du hast doch Farben und Papier in deiner Bastelkiste?“
„Das ist aber nicht das Richtige. Ich möchte heute Kunst malen und dafür brauche ich richtig gute Sachen.“
„Aha, Kunst möchtest du malen.“, sie muss schmunzeln.
„Ja Kunst. Ich möchte nicht nur Bilder malen, sondern Kunst. So etwas wie auch manchmal in der Galerie hängt, an der wir immer vorbei gehen.“ antwortet er in ganzem Ernst.
„Deine Bilder zählen doch auch unter Kunst.“, stellt sie in den Raum.
„Nein Mama das ist keine Kunst. Das sind Bilder auf denen man genau sieht, was gemalt wurde. Richtige Kunst ist Krigelakrack. Man kann nicht sofort erkennen was gemalt wurde und man kann so schön die Phantasie spielen lassen. Bei normalen Bildern, kann man das nicht, da man ja sieht was es ist.“
'Das ist ja mal eine klare Ansage', denkt sie sich. „Da haben wir aber ein kleines Problem. Andere Sachen zum Malen habe ich jetzt nicht da. Aber meinst du nicht, dass du deine erste Kunst nicht auch mit deinen Wasserfarben und auf Papier machen kannst? Für alles andere müssen wir erst einkaufen gehen und du könntest dann nicht sofort malen.“
Einen kleinen Moment schaut der Kleine auf den Boden, als wäre seine Mutter nicht mehr vorhanden, ebenso wie auch die Antwort lange auf sich warten lässt.
Geduldig wartet sie ab und sieht genau wie es in dem Kleinen arbeitet und mit einem Male schaut er auf, spricht ganz kurz „OK.“ und verlässt den Raum.
Er sucht sich aus seinen Kisten alles was er jetzt braucht und lässt den Pinsel und die Farben einfach über das Papier gleiten. Er malt, streicht, spritzt und wenn ein Blatt voll ist, dann nimmt er sich das nächste, bis dieses auch über und über mit Farbe ist und ganz nach seinen Vorstellungen fertig erscheint. Er verliert sich vollkommen in dem was er tut und irgendwann hört er nur noch wie seine Mutter hereinkommt und einen kleinen fast unterdrückten Schrei von sich gibt.
Ohne es zu merken hat er all seine Wände, Möbel und den Fußboden mit bemalt, aber das interessiert ihn nicht weiter. Viel lieber möchte er seiner Mutter seine Kunst zeigen.
„Irgendwann, werde ich meine Bilder auch in eine Galerie hängen und dann werden wir reich.“ Meint er ganz stolz, während er auf die Blätter zeigt, die im ganzen Raum verstreut liegen. Seine Mutter kann ihm gerade gar nicht weiter böse sein, da das Strahlen in seinen Augen so groß ist, die Bilder diese Freude so sehr widerspiegeln, das die Farbe die im ganzen Zimmer verteilt ist, das kleinste Übel ist. Also nimmt sie ihn in den Arm und sie teilen sein Glück und während sie versucht den Schaden wieder zu beheben, überfällt ihn ein Redeschwall der Inspiration und erzählt ihr die Bilder und ihre Entstehung bis ins kleinste Detail. Es ist eben seine Kunst und er möchte das seine Mutter sie versteht und lesen lernt.
„Mama, Kunst malen macht Spaß, aber ab und zu werde ich auch wieder normale Bilder malen.“
beendet er seinen Monolog und seinen Tag.


© by Emma Wolff (01.07.2012)



Sonntag, 8. April 2012

Geschichten des Lebens XI – Ostersonntag




Er schlägt die Augen auf und spürt ganz genau, dass heute ein ganz besonderer Tag werden wird. Voll Erwartungen springt er aus dem Bett, zieht sein Rollo nach oben und kann seinen Augen kaum trauen. Alles ist mit Schnee bedeckt. Vereinzelt kann er einige Krokusse darunter entdecken und auch auf den Bäumen sieht er noch etwas grün. Dennoch, es kann nicht sein. Es ist doch Frühling. Ganz aufgeregt rennt er ins Schlafzimmer.
„Mama, alles ist weis! Es hat geschneit!“, ruft er ganz aufgeregt.
Seine Mutter weiß, dass er jetzt keine Ruhe geben wird, bis sie aufsteht und so stellt sie sich ans Fenster und schaut mit ihm gemeinsam die weiße federleichte Schicht auf der Natur an.
„Weißt du mein Schatz, in dieser Zeit des Jahres ist es normal, das es noch einmal schneit. Aber, wenn du ganz genau hinschaust, dann kannst du sehen das es auch schon wieder taut. Siehst du die Tautropfen, dort an dem Ast und auch die Blumen wirst du in kurzer Zeit wiedersehen.“
Der Kleine schaut auf all die Stellen die seine Mutter ihm gezeigt hat und nickt. Sie legt die Hand auf seine Schulter und spricht ganz ruhig, „Komm lass uns Frühstück machen und glaube mir heute wird noch ein ganz schöner Tag für dich werden.“
Nach dem Frühstück verschwindet der Kleine wieder in seinem Zimmer. Er möchte seiner Mama ein schönes Osterbild malen, aber das soll jetzt noch sein Geheimnis sein.
Irgendwann schaut seine Mutter zur Tür hinein und erzählt ihm wie der restliche Tag geplant ist. Irgendwie findet er das alles schön, denn er freut sich darauf das er die ganze Familie sehen wird.
Gleich nach dem Mittagessen machen sie sich fertig zum spazieren gehen. Er sucht seinen Schal, die Mütze und seinen dicken Anorak. Seine Winterstiefel hat er schon aus dem Schrank geholt. Seine Mutter schmunzelt und nimmt ihm schweigend die Sachen wieder ab. Er versteht das nicht. „Wieso? Es hat doch geschneit?“, fragt er sie leicht verwirrt.
„Ja, es hatte geschneit. Aber hast du denn nicht wieder aus dem Fenster geschaut? Die Sonne ist herausgekommen und so warm das alles weggetaut ist. Die Blumen haben sich wieder geöffnet. Schau einfach selber nach. Es ist wundervoll warm und ein schöner Frühlingstag. Da brauchen wir keine Wintersachen.“
Während sie die Sachen wieder zurück hängt, rennt er zum Fenster und will selber schauen, ob es wirklich so schön ist, wie seine Mutter ihm gesagt hat.
Sie laufen eine große Strecke und ein Stück geht es durch den Wald. Er rennt über Stock und Stein und die schönsten von ihnen muss er mitnehmen für seine Sammlung. ‚Wer weiß schon, wofür er es noch einmal gebrauchen kann.’ Er genießt diesen Ausflug und die Sonne scheint so sehr, dass ihm sogar in der etwas dünneren Kleidung fast zu warm ist. Sie laufen so, dass sie wie in einem Kreis laufen und sie irgendwann wieder zu Hause ankommen. Als er den Garten betritt kommt es ihm komisch vor. Irgendetwas stimmt hier nicht und als er genauer hinschaut sieht er, das bunte Farben in dem Grün schimmern. Jedoch weiß er, dass dies keine Blumen sind. Seine Neugier ist riesengroß und so forscht er nach, was es sein könnte. An der ersten Stelle findet er ein buntes Ei. Er ist so aufgeregt, das er sich nicht traut es heraus zunehmen. So schnell wie er kann rennt er seiner Mutter entgegen und zieht sie am Arm. „Mama, Mama, schau mal der Osterhase war da.“
Sie muss sehr schmunzeln und geht ihm hinter her. Er deutet auf die Stelle, an der er das Ei gefunden hat. „Da schau! Siehst du das?“, fragt er sie.
Sie nickt. „Ja, möchtest du es nicht haben? Vielleicht findest du ja auch noch mehr? Wer weiß das schon.“
Seine Augen beginnen zu strahlen und zu leuchten und er rennt freudeschreiend und laut lachend durch den Garten. Er ist so aufgeregt, das es ihm sehr schwer fällt wirklich zu suchen. Seine Mutter setzt sich so lange auf die Treppe und genießt den Augenblick des Beobachtens, als hinter ihr auf einmal die Türe aufgeht, während der Kleine in diesem Moment auch schon wieder ein Fundstück zu ihr trägt. „Oma! Opa! Schaut mal, der Osterhase war da!“ und freudig zeigt er schon die paar Sachen die er gefunden hat, bevor sich alle herzlich begrüßen. Noch eine Weile ist der Kleine damit beschäftigt, all seine Sachen zu suchen und sein Großvater hilft ihm dabei. Die Frauen sitzen weiter in der Sonne und genießen all dieses Treiben. Nach einer Weile kehrt aber immer noch keine Ruhe ein. „Was ist wenn ich etwas nicht gefunden habe?“, sagt der Kleine und sucht stetig weiter. Selbst den Worten der Mutter kann er nur schwer trauen, doch gibt er nach einer weiter Suche auf, da sie erfolglos war.
All seine Sachen legt er in einen Korb und geht mit den anderen hinein. ‚Jetzt hat er aber Hunger.’ Seine Oma hat einen Kuchen mitgebracht und während er isst, lässt er die ganze Zeit sein Osterkörbchen nicht mehr aus den Augen.
Alle lachen sehr viel und Unterhalten sich. Er denkt noch einmal an die Erlebnisse des Tages und kann nur feststellen, ‚Ja, die Mama hat recht gehabt. Heute war ein wunderschöner Tag.“

C. by Emma Wolff (17.3.2012)



Freitag, 31. Dezember 2010

Anton und das Silvesterfest


Anton

“Oh Mama, ich bin ja so aufgeregt.”, springt der kleine Anton hin und her.
„Wann gehen wir denn endlich los?“, fragt er sie schon zum zehnten Mal.
„In etwa einer Stunde.“ Antwortet die Mutter auf seine Frage.
„Wie lange ist denn noch eine Stunde?“
Sie zeigt ihm an der Uhr wie die Zeiger stehen müssen, wenn sie sich auf den Weg machen müssen.
Heute ist der Silvesterabend und sie haben heute eine Nachtwanderung vor. Zumindest hat ihm seine Mama das erzählt. Aber was man bei einer Nachtwanderung so macht, das weiß er nicht. Er hat seine Mama schon ein paar Mal gefragt, aber vor lauter Aufregung hat er es schon wieder vergessen. Unterdessen schaut er seiner Mutter zu wie sie in aller Seelenruhe eine große Kanne Tee kocht und alles was sie für die nächsten Stunden in einem Rucksack packt. Seine Mama hat ihm erzählt, dass er am Ende eine ganz große Überraschung erleben wird.
„Bloß was für eine Überraschung könnte das sein?“
Er ist ja so aufgeregt. Immer wieder rennt er zwischen seiner Uhr in seinem Zimmer und der Küche hin und her. Er möchte nicht, dass sie sich zu spät auf den Weg machen. Als die Zeit endlich gekommen ist, soll er sich ganz dick und warm anziehen.
„Mama darf ich meine Taschenlampe mitnehmen?“, fragt er plötzlich, als sie schon aus der Tür gehen wollten.
Sie nickt ihm zu und ganz schnell holt er seine kleine Lampe aus seinem Zimmer.
Am Waldrand angekommen wird ihm nun doch ganz anders. Irgendwie wirken die Bäume etwas unheimlich, obwohl es durch den Schnee auch wieder etwas hell ist. Er will mutig sein und ohne seine Mama durch dieses Dunkelheit laufen. Er hat ja seine Taschenlampe bei sich, die wird ihm schon zeigen wo der Weg langgeht und auch das es keine Gespenster in dem Wald gibt.
„Die Mama sagt zwar immer, dass es keine gibt, aber es fällt mir manchmal schwer zu glauben. Woher will die Mama das immer alles wissen?“, denkt er sich und läuft mutig den Weg mit seiner kleinen Lampe voran.
Er stapft durch den tiefen Schnee. Manche Bäume schauen aus wie irgendwelche Wesen in seinen Märchenbüchern. Doch sie bewegen sich nicht. Nichts ist zu erkennen was ihm Angst macht. Nach einer Weile in der Dunkelheit und ihren ungeheuerlichen Schatten, durch die Bäume, kann er am Ende des Weges ein Licht erspähen. Ohne es zu merken, wird auch sein Schritt immer schneller, denn dahinten ist wahrscheinlich auch das Ziel. Die letzten paar Meter beginnt er sogar zu rennen. Er will doch so gerne und ganz schnell seine Überraschung sehen, die die Mama ihm versprochen hat.
Als er ankommt steht er auf einem kleinen Platz. Ein paar Menschen haben ein Lagerfeuer angezündet, welches in dem Schnee noch heller und Wärmer aussieht.
Genau ihm gegenüber ist ein tiefer Abgrund. Doch sein Blick fällt noch viel weiter. Er kann über die ganze Stadt schauen. So sehr viele Lichter sind zu sehen. Manche bewegen sich auch.
„Das sieht ja auch wie ein Lichtermeer“, ruft er erstaunt aus, als seine Mutter sich neben ihn stellt.
„Ja, so sieht es aus. Es ist einfach wunderschön.“, antwortet sie und beide genießen all das was sie sehen können.
„Mama, warum feiern wir eigentlich Silvester?“, fragt er aus heiterem Himmel.
Während sie beginnt die Sachen aus dem Rucksack zu holen, antwortet sie ihm,
„Wir wollen uns von dem alten Jahr verabschieden und heißen das neue Jahr willkommen. Viele Menschen wünschen sich auch etwas für das neue Jahr. Oder sie nehmen sich etwas vor, was sie unbedingt machen wollen. Andere schauen einfach auch nur wie war die vergangene Zeit und was soll sich ändern.
Jeder feiert es auf seine eigene Art und Weise. Einige machen riesige Feste. Andere verbringen diesen Tag mit der Familie und nur den besten Freunden und wieder andere wollen diesen Tag ganz für sich alleine verbringen. In diesem Jahr, dachte ich, verbringe ich diese Zeit mit dir so wie wir es nun tun, als zu Hause abzuwarten, wie die Zeit irgendwie vergeht.“
„Ja“, entgegnet er nur und ist in seinen Gedanken versunken als er nach der Tasse heißen Tee greift die ihm seine Mutter reicht.
Auf einmal hört er nur noch wie die Menschen hier im Chor rückwärts zählen
„10, 9, 8…..“
Als plötzlich vor ihm und über der ganzen Stadt eine Feuerwerksrakete nach der anderen in die Luft geht, bis sie alle zu einem riesigen Feuerwerk werden. Ganz erstaunt über diesen Farbenfrohen und gewaltigen Anblick, bekommt er gar nicht mehr mit was um ihn herum alles geschieht. Es ist einfach zu schön.
„Das ist wirklich eine Überraschung!“
Er muss weiter an die Worte seiner Mutter denken und murmelt vor sich hin…“Ich wünsch mir für das neue Jahr, das ich genauso viele aufregende Dinge erleben werde, wie im alten Jahr.“ Und steht weiter neben seiner Mama und fühlt sich mit einem Mal ganz groß und frei.

Anton Silvester



© by Emma (30.12.2010)