Sonntag, 29. Juli 2012

Geschichten des Lebens XXVII – Zeit für die Liebe




Ein beklemmendes Gefühl drückt in seiner Brust. Der Tag der ihn erwarten wird, erscheint ihm zu schwer und die Entscheidung die er treffen soll, nagen an ihm und seinem Gewissen. Was wäre wenn? Immer wieder spielt er alle Eventualitäten durch, wobei er zu keinem wirklichen Ergebnis kommt. Es nimmt ihm die Luft zum Atmen. Am liebsten möchte er wegrennen. Er muss hier raus. Raus aus diesem Raum und Haus. Alles dreht sich und wie in einem Rausch der Angst verlässt er diese Situation und läuft durch die Straßen und Gassen, ohne das er in diesem Tempo auch nur einen Gedanken greifen kann. Die Angst vor der falschen Entscheidung hat ihn gepackt.
Auf einer Wiese lässt er sich erschöpft nieder und erst jetzt wird ihm klar wo er sich eigentlich befindet. Er hatte die Vergangenheit so sehr verdrängt, doch genau in diesem Augenblick ist alles wieder da. Nur stellenweise erscheinen einige Fleckchen Erde und einige Häuser im Schein der Sonne und er erinnert sich das er schon einmal an diesem Platz, in dieser Stadt war. Nur war er damals nicht alleine gewesen. Es war die schönste Zeit in seinem Leben, die er geteilt, gelebt und geliebt hat mit ihr. Eine kurze, viel zu kurze Zeit aber in einer Intensität, dass er noch Jahre davon zehren konnte. Es ist als sollte all das so geschehen. Als würde das Schicksal ihn genau jetzt in diesem Moment an diesen Ort führen und ihr ihre Präsenz durch seine Erinnerung so intensiv hervorrufen, als wäre sie auch dieses Mal wieder direkt bei ihm.  Würde neben ihm auf dem Gras sitzen, behutsam seine Hand nehmen und der Wind wirkt wie der Hauch ihres Atems den er an seiner Wange verspürt, so als würde sie ihm etwas sagen wollen. Er lässt sich einen Moment treiben in diesem Gefühl und danach beschließt er ohne auch nur darüber nachzudenken, die Wege der Vergangenheit, ihre gemeinsamen Pfade, zu begehen, in dem Wissen und Gefühl das alles Vorherbestimmt ist und es für ihn eine Botschaft enthält. Sie will ihm etwas sagen. Auch wenn er es nicht greifen kann, wenn er es nur spürt, so weiß er, dass er dem Ganzen jetzt Vertrauen schenken muss. Er muss sich und dem Leben, dem nächsten Augenblick und allem was auf diesem Wege kommen mag vertrauen. Er lässt sich führen, durch die Erinnerung und von ihrer imaginären Hand. Alle Plätze und Häuser, kann er wieder wahrnehmen und es ist als wäre er niemals weg gewesen. Als wäre die Zeit stehen geblieben und die Vergänglichkeit hätte keine Spuren hinterlassen. Alles was ihm vorher grau erschien, weil er es nicht wirklich sah, nimmt er in einer Farbenpracht war, das es ihm die Tränen in die Augen treibt. Warum ist alles so gekommen wie es ist? Warum hatte er sich hinter seiner kalten Fassade versteckt und hat der Angst in der so genannten Vernunft geboren so viel Raum gegeben? Er kann es sich nicht erklären. Die letzten Jahre haben so sehr an ihm gezehrt und sollten die nächsten wirklich so weitergehen? Er stellt sich die Fragen des Lebens, nach seinem Sinn der Aufgaben und dem Sinn seines Daseins. Er lässt sich weiter treiben bis er an einer Lichtung angelangt ist. Sollte die Entscheidung die ihn Tagelang gequält hat getroffen sein? Warum sollte er sich weiter dem Leid ausliefern, wenn es nicht ihm und seinem Wesen entspricht, wenn er all das was er braucht schon hat und erlebt hatte. Rückgängig kann er nichts machen, aber er kann nach dem er im Kreis gelaufen ist, einen neuen Weg einschlagen. Einen Weg der seinem Wesen entspricht, denn das einzigste was er wirklich als Sinn in seinem Leben sieht ist die Liebe und die verspürte er in dieser Intensität und Freiheit nur mit ihr. All seine Angst und seine Vernunft sind verschwunden, da er genau spürt was richtig und was falsch ist. Im Irrglauben der Sicherheit hat er sich schon lange genug Untergeordnet. Jetzt ist die Zeit gekommen, seinem Herzen zu folgen und endlich zu leben, was er Jahrelang unter drückt hat. Die Liebe.  


© by Emma Wolff (03.07.2012)



Kommentare:

  1. Hallo,

    es hört sich an als würde eine Person in deiner Geschichte erwachen. Obwohl er eigentlich nur zu dem Flecken Gras gegangen ist, hat er gleichzeitig so viel mehr gemacht.
    Toll erzählt! Vor allem die... Angst vor der falschen Entscheidung am Anfang ist sehr realistisch beschrieben.

    Liebe Grüße
    Nadine

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    1. Hallo Nadine, wenn wir uns genau beobachten dann werden wir alle erkennen, das wir immer mehr machen als der äußere Schein uns zeigt. Ich danke dir sehr für dein Feedback.
      Viele liebe Grüße
      Emma

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