Montag, 27. Juni 2011

Der kleine Siebenschläfer




Für sie ist dieser Tag immer ein ganz besonderer Tag, vor dem sie sich auch insgeheim immer etwas fürchtet. So viele Erinnerungen und noch mehr Emotionen tauchen in ihr auf. Alleine wenn sie nur an das Datum denkt. Es bleibt ihr nichts anders übrig, als sich mit dieser Gegebenheit auseinanderzusetzen, obwohl sie am liebsten ihre Augen davor verschließen möchte.
Vor ein paar Jahren sollte dieser Tag ihr Leben komplett verändern. Sie wollte diese Verantwortung übernehmen und ihr Leben sollte in ganz neue Bahnen verlaufen. Sie wollte nicht mehr nur in den Tag leben. Alles sollte eine Struktur bekommen. 

Dennoch, wieso ist dieser Tag ein besonderer Tag, wenn sie ihn am Ende dieser ganzen Zeit, nun doch für sich alleine, in diesem ganzen emotionalen Chaos verbringen muss. Es ihr jedes Mal vor Traurigkeit, Sehnsucht und Liebe fast das Herz zerreißt. Nicht genau da sein kann, wo sie es möchte. Den Tag nicht mit dem Menschen verbringen kann, so wie und wo sie es auch vom Herzen her möchte. Nur weil es ihr nicht gegeben ist  und sie sich in ihrem Raum gefangen fühlt und auch nicht heraus kommen soll. 

Es ist der Tag an dem ihr Sohn Geburtstag hat. Das kleine winzige Wesen, welches er mal war. Genau dieses Kind hat sie heute vor ein paar Jahren auf die Welt gebracht. So viele schöne Stunden, Tag, Monate und Jahre hat sie mit ihm verbracht. Nur sollte alles anders kommen, als sie es für sich jemals sah. 

Sie konnte sich nicht mehr alleine um sie kümmern. Ihr Körper vermochte nicht mehr so wie sie es gerne wollte. Zum Glück gab es aber einen Vater dazu bereit und in der Lage war. So wusste sie, dass ihr kleiner Sonnenschein gut aufgehoben sein würde. Solange bis es ihr wieder gut gehen würde. Leider dauerte dies alles viel länger, als sie es hätte erahnen können. Jedoch schaffte sie es, soweit es ihr möglich war, die ganze Zeit den Kontakt und die Verbindung aufrecht zu erhalten. 

Sie wollte für den Kleinen immer nur das Beste. Sie wünscht sich nichts sehnlicher als das dieses Kind glücklich ist und nicht unter ihren Lebensumständen leiden muss. Deswegen entschied sie sich alles so zu lassen wie es ist. Zu viel Zeit war einfach vergangen. Sie wollte in ihm nicht die Zerrissenheit auslösen, die viele Kinder erleben, nur weil die Eltern nicht mehr zusammen sind. Er sollte da bleiben wo er ist. Es sollte einen Ort haben, an dem er spürt, das ist mein zu Hause und da bin ich. Sie wollte ihm ersparen das Gefühl zu erleben, nicht geliebt zu werden und immer hin und her geschoben zu werden. Sie spürte ganz deutlich, dass er daran zerbrechen würde. Daran zerbrechen würde, sich in diesen jungen Jahren ständig neu orientieren zu müssen. Daran zerbrechen würde, ständig seinen Platz im Leben neu finden zu müssen. Sie sah es als ihre Aufgabe ihm dies zu bereiten. Ihm immer alle Türen offen zu halten und ihn mit all ihrer Liebe, zu jeder Zeit willkommen zu heißen.

Die Jahre sind in der zwischen Zeit ins Land gezogen und sie sitzt an diesem besonderen Tag alleine da. Alleine und ohne ihren kleinen Siebenschläfer. Zu groß ist die Entfernung in jeden Bereich geworden. Die Entfernung durch den Raum, aber auch die Entfernung in den Köpfen. Oft ist es als würde sie nicht mehr zu seinem Leben dazu gehören. Ein riesiger Graben der zwischen ihnen aufgetan hat und nun dort ruht. Auch wenn jede Brücke die sie bauen will, immer wieder zerstört wird und sie weiß, das sie derzeit nicht viel machen kann, so ist sie da. 

Sie ist einfach da. Für ihn und für alle Zeit. Ab und zu erreicht sie ihn durch das Telefon und noch seltener kann sie ihn in ihrer Arme schließen, um ihn noch deutlicher verspüren zu lassen, wie sehr sie ihn liebt. Heute trifft er schon seine eigenen Entscheidungen. Trägt in sich seine eigenen Hoffnungen und Wünsche. Und sie? Sie hat nur den einen Wunsch. Sie möchte einfach nur, dass er glücklich ist. Das wünscht sie sich und versucht ihm zu erfüllen, so weit es ihr und ihren Möglichkeiten gegeben ist. Obgleich es für sie oft  es für sehr schmerzlich ist, weil das für sie heißt, das sie auf ihn noch mehr verzichten muss. Doch sie ist immer für ihn da. Egal was auch geschehen mag. Und eines Tages, da ist sie sich sicher, werden sie auch wieder richtig zusammen finden, auch wenn es noch eine lange Zeit dauern kann. 
Alleine dieser Gedanken gibt ihr wieder die Kraft und die Hoffnung, immer weiter nach vorne zu schauen. Diese Gedanken werfen die Traurigkeit zurück, genauso wie sie die Gewissheit in sich trägt, ihrem kleinen Siebenschläfer geht es gut. Er hat alle Möglichkeiten und alle Türen dieser Welt und zu ihrem Herzen stehen ihm offen. So wird die innige Verbindung die in ihr lebt, für immer bleiben. Es wird nichts geben, was ihr dies jemals nehmen kann. Denn sie ist eine Mutter die ihr Kind, egal was geschehen ist und noch geschieht, immer weiter liebt.

So bleibt sie weiter alleine in ihrem Sein zurück und murmelt immer wieder nur für sich: „Herzlichen Glückwunsch zu deinem großen Tag, mein kleiner Siebenschläfer.“ Bis sie ihn in all ihrer Hoffnung und Sehnsucht, vielleicht dann doch noch erreichen und es ihm mit kräftiger Stimme nochmals sagen kann.


© by Emma (27.6.2009 / Überarbeitung 27.6.2011)


Kommentare:

  1. Lieber ist mir täglich grüßt das Murmeltier. Es ist einfach schlagartig zu warm heut.
    Die Sonne scheint auch für dich.

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  2. Na, ja, so ist es eben "Alle Jahre wieder..."

    Du kennst die Siebenschläfer-Bauernregel?
    Dann lassen wir uns einmal überraschen wieviel Wahrheit in diesem steckt und ob wir 2003 noch toppen können..

    Aber meine geschundenen Glieder haben die Sonne in sich aufgesogen.

    ICh danke dir sehr, du seltener Gast und schicke dir ganz viele liebe Grüße in die Ferne.

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