Freitag, 31. Dezember 2010

Anton und das Silvesterfest


Anton

“Oh Mama, ich bin ja so aufgeregt.”, springt der kleine Anton hin und her.
„Wann gehen wir denn endlich los?“, fragt er sie schon zum zehnten Mal.
„In etwa einer Stunde.“ Antwortet die Mutter auf seine Frage.
„Wie lange ist denn noch eine Stunde?“
Sie zeigt ihm an der Uhr wie die Zeiger stehen müssen, wenn sie sich auf den Weg machen müssen.
Heute ist der Silvesterabend und sie haben heute eine Nachtwanderung vor. Zumindest hat ihm seine Mama das erzählt. Aber was man bei einer Nachtwanderung so macht, das weiß er nicht. Er hat seine Mama schon ein paar Mal gefragt, aber vor lauter Aufregung hat er es schon wieder vergessen. Unterdessen schaut er seiner Mutter zu wie sie in aller Seelenruhe eine große Kanne Tee kocht und alles was sie für die nächsten Stunden in einem Rucksack packt. Seine Mama hat ihm erzählt, dass er am Ende eine ganz große Überraschung erleben wird.
„Bloß was für eine Überraschung könnte das sein?“
Er ist ja so aufgeregt. Immer wieder rennt er zwischen seiner Uhr in seinem Zimmer und der Küche hin und her. Er möchte nicht, dass sie sich zu spät auf den Weg machen. Als die Zeit endlich gekommen ist, soll er sich ganz dick und warm anziehen.
„Mama darf ich meine Taschenlampe mitnehmen?“, fragt er plötzlich, als sie schon aus der Tür gehen wollten.
Sie nickt ihm zu und ganz schnell holt er seine kleine Lampe aus seinem Zimmer.
Am Waldrand angekommen wird ihm nun doch ganz anders. Irgendwie wirken die Bäume etwas unheimlich, obwohl es durch den Schnee auch wieder etwas hell ist. Er will mutig sein und ohne seine Mama durch dieses Dunkelheit laufen. Er hat ja seine Taschenlampe bei sich, die wird ihm schon zeigen wo der Weg langgeht und auch das es keine Gespenster in dem Wald gibt.
„Die Mama sagt zwar immer, dass es keine gibt, aber es fällt mir manchmal schwer zu glauben. Woher will die Mama das immer alles wissen?“, denkt er sich und läuft mutig den Weg mit seiner kleinen Lampe voran.
Er stapft durch den tiefen Schnee. Manche Bäume schauen aus wie irgendwelche Wesen in seinen Märchenbüchern. Doch sie bewegen sich nicht. Nichts ist zu erkennen was ihm Angst macht. Nach einer Weile in der Dunkelheit und ihren ungeheuerlichen Schatten, durch die Bäume, kann er am Ende des Weges ein Licht erspähen. Ohne es zu merken, wird auch sein Schritt immer schneller, denn dahinten ist wahrscheinlich auch das Ziel. Die letzten paar Meter beginnt er sogar zu rennen. Er will doch so gerne und ganz schnell seine Überraschung sehen, die die Mama ihm versprochen hat.
Als er ankommt steht er auf einem kleinen Platz. Ein paar Menschen haben ein Lagerfeuer angezündet, welches in dem Schnee noch heller und Wärmer aussieht.
Genau ihm gegenüber ist ein tiefer Abgrund. Doch sein Blick fällt noch viel weiter. Er kann über die ganze Stadt schauen. So sehr viele Lichter sind zu sehen. Manche bewegen sich auch.
„Das sieht ja auch wie ein Lichtermeer“, ruft er erstaunt aus, als seine Mutter sich neben ihn stellt.
„Ja, so sieht es aus. Es ist einfach wunderschön.“, antwortet sie und beide genießen all das was sie sehen können.
„Mama, warum feiern wir eigentlich Silvester?“, fragt er aus heiterem Himmel.
Während sie beginnt die Sachen aus dem Rucksack zu holen, antwortet sie ihm,
„Wir wollen uns von dem alten Jahr verabschieden und heißen das neue Jahr willkommen. Viele Menschen wünschen sich auch etwas für das neue Jahr. Oder sie nehmen sich etwas vor, was sie unbedingt machen wollen. Andere schauen einfach auch nur wie war die vergangene Zeit und was soll sich ändern.
Jeder feiert es auf seine eigene Art und Weise. Einige machen riesige Feste. Andere verbringen diesen Tag mit der Familie und nur den besten Freunden und wieder andere wollen diesen Tag ganz für sich alleine verbringen. In diesem Jahr, dachte ich, verbringe ich diese Zeit mit dir so wie wir es nun tun, als zu Hause abzuwarten, wie die Zeit irgendwie vergeht.“
„Ja“, entgegnet er nur und ist in seinen Gedanken versunken als er nach der Tasse heißen Tee greift die ihm seine Mutter reicht.
Auf einmal hört er nur noch wie die Menschen hier im Chor rückwärts zählen
„10, 9, 8…..“
Als plötzlich vor ihm und über der ganzen Stadt eine Feuerwerksrakete nach der anderen in die Luft geht, bis sie alle zu einem riesigen Feuerwerk werden. Ganz erstaunt über diesen Farbenfrohen und gewaltigen Anblick, bekommt er gar nicht mehr mit was um ihn herum alles geschieht. Es ist einfach zu schön.
„Das ist wirklich eine Überraschung!“
Er muss weiter an die Worte seiner Mutter denken und murmelt vor sich hin…“Ich wünsch mir für das neue Jahr, das ich genauso viele aufregende Dinge erleben werde, wie im alten Jahr.“ Und steht weiter neben seiner Mama und fühlt sich mit einem Mal ganz groß und frei.

Anton Silvester



© by Emma (30.12.2010)





Kommentare:

  1. Ich danke allen die in diesem Jahr hier gelesen habe und wünsche ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr und einen fantastischen Start in jenem, mit ganz viel Wärme, Liebe und Licht.
    Das es alle erfüllen möge, in sich und in ihren Wünschen.

    Eure Emma ;o)

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Emma,

    ich danke Dir für diese wunderbare Geschichte, die mich zutiefst berührt. Sie erinnert mich an meinen kleinen Leon, der die vielen bunten Lichter heute Nacht bestimmt von seinem Stern aus beobachten wird. Ich sehe ihn lächeln...

    Ich wünsche Dir von Herzen ein frohes, neues Jahr.
    Alles Liebe,

    Siglinde

    AntwortenLöschen
  3. LIebe Siglinde,

    ja er wird auch in diesem Moment bei dir sein und heute Nacht wird er auf seinem Stern sitzen und Euch auf seine Art in das neue Jahr begleiten.
    Es freut mich wirklich sehr dich hier zu lesen und auch in diesem Blog zu lesen.

    Vom ganzen Herzen wünsche ich dir und deinen LIeben einen wundervollen Start ins neue Jahr festverankert in Eurer Liebe und Verbundenheit. Das es euch erfüllen mag mit ganz viel Wärme Liebe und LIcht.

    Alles liebe und Gute zu dir
    Emma

    AntwortenLöschen
  4. Schön flüssig geschrieben.
    Es hat mich zudem an meine eigene Kindheit erinnert. Kinder sind leicht zu erfreuen. Davon sollten wir Erwachsenen uns eine Scheibe abschneiden!

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Alejandro,

    schön dich hier zu sehen/lesen und heiße dich auf dieser Seite herzlich Willkommen.
    Es freut mich sehr das es dir gefällt, und noch mehr das es dich auch an deine eigene Kindheit erinnert, denn so wie es klingt ist es mit einer schönen Erinnerung verbunden.
    Ja wir sollten und das Kind in uns wirklich öfter bewahren und unser Ansprüche sehr weit herunter schrauben, wir wäre alle sehr überrascht, was wir entdecken werden.

    Ich danke dir sehr und schicke dir viele liebe Grüße
    Emma..;o)

    AntwortenLöschen