Sonntag, 15. April 2012

Geschichten des Lebens XII - Auszug - Seelenwelten




Sie sitzt in dem kleinen Bistro am Ende des Dorfes, welches weit weg vom eigentlichen Treiben liegt und der Kellner bringt ihr ein Glas Wein. Eine wundervolles Aussicht, über all die Landschaft die in manchen Zügen durch die heiße Sommersonne, mit verbrannten und ausgedörrten Gras überzogen ist, eine regelrechte Einöde, die sich ihrem Blick bietet. Durch die untergehende Sonne schimmern die Felsen, die in all dem Brachland und der Anhöhe verstreut vor sich hin liegen, golden und rötlich. Sie ist von diesem Anblick wie verzaubert und auch die Gedanken die sie während ihrer heutigen Etappe hatte, haben sie sehr berührt und sie vernimmt in sich ein Gefühl, als würde sie all diese Erinnerungen noch einmal erleben und in sich verspüren.
Der Schmerz der damaligen Zeit, das Zulassen der Nähe und das erleben, zum ersten Mal geliebt zu werden sind in der selben Intensität wie es ihre Wahrnehmung auch nur vortäuschen können. All das Chaos in ihr ist, als hätte sie es eben erst erlebt und dennoch ist sie in sich vollkommen ruhig, ganz im Gegensatz zum damaligen Zeitpunkt, denn damals hatte sie panische Angst vor dem was kommen könnte. Die Wärme die sie wieder verspürt, als wäre sie in seiner Nähe und Anwesenheit und so gibt sie sich alle ihren Emotionen vollkommen hin, inmitten dieser Leere in der sie sich zu befinden scheint.
Die letzten Gäste sind gegangen und auch sie müsste, wenn sie morgen weiter möchte, sich langsam in ihr Bett bewegen. Irgendetwas sagt ihr jedoch, das sie noch einen Moment hier verweilen sollte und diesen Sonnenuntergang ganz für sich aufnehmen sollte. Je länger sie hier sitzt, um so weniger ist sie sich sicher, ob sie morgen wirklich schon weiter ziehen soll, oder ob sie nicht einfach noch etwas bleiben soll.
Jeder der diesen Weg geht möchte es am liebsten so schnell wie möglich hinter sich gebracht haben, doch sie spürt und weiß sie hat alle Zeit der Welt. Sie war nicht getrieben von Lasten und sie ist auch jetzt in einem tiefen Frieden, selbst wenn die Gedanken der Vergangenheit immer wieder zum Vorschein kommen, nur haben sie in ihrer Seele nichts schmerzhaftes, sondern sind mit so sehr vielen Dingen gefüllt, das sie es kaum in Worte fassen kann.
Nein, all den Schmerz hat sie vor Jahren hinter sich gelassen und alles was nun noch kommt, lebt sie einfach voll und ganz, da wo sie ist und so wie sie ist. Egal wie ihr eigentliches Befinden gerade sein mag. So war auch diese Reise der letzte Schritt und der letzte Wunsch den sie sich noch erfüllen wollte, ebenso wie sie ganz genau spürt das sie diesen Weg gehen muss, um wahrhaftig mit allem abzuschließen um endgültig einfach nur noch zu sein. Frei von Fragen und den Gedanken, die sie vor Jahren so sehr gequält haben. Frei von den Verpflichtungen und der Verantwortung für andere. Einzig und alleine die Verantwortung für sich, das Leben und die Momente, die ihr immer wieder begegnen. Wie gerade dieser Moment, in dem sie einfach nur hier sitzt und der Sonne beim Untergehen zu sieht. Einfach nur da sitzen und Sein.
Nach und nach begrüßt sie die Nacht und die Sterne, so wie auch der Mond, scheinen ihr in ihrem allgegenwärtigen Tanz zu antworten und ziehen sie noch mehr in den Bann. Die Leere der Erde, da nichts mehr zu erkennen ist und auch der nächtliche Himmel, welches sich vor ihrem Augen darbietet, lassen sie in dem Sein fallen und nur noch mehr spüren. Alles fühlt sich leicht an und selbst die kühle Luft die sich jetzt über alles ausbreitet kann sie nicht wirklich wahrnehmen, denn alles was sie spürt und fühlt ist die Wärme. Die Wärme jener Gedanken und ihre Liebe zu sich selber. Die Liebe zum Leben und all den Menschen die ihr jemals begegnet sind, aber ganz besonders spürt sie die Liebe zu ihm. Jene grenzenlose Liebe, die so viel in ihr hervorgebracht hat und die in ihrem Herzen niemals verschwunden ist, obgleich all das Erleben schon so viele Jahre hinter ihr liegen. So gibt sie sich allem und auch dieser Nacht in ihrem Anflug von Liebe und Sehnsucht hin, bis sie sich irgendwann dazu entschließt sich hinzulegen, um in dieser Glückseligkeit die nur in ihr lebt, in einen Traum gefüllten Schlaf zu verfallen.

 © by Emma Wolff - Auszug aus derzeitiger Arbeit (Roman - Arbeitstitel „Seelenwelten“)




Kommentare:

  1. Liebste Emma,

    für einen Moment hatte ich das Gefühl diese Person zu sein.
    Berührend schön geschrieben, du bist einfach zauberhaft!

    Eine herzliche Umarmung.

    Gisi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Gisi,

      das freut mich sehr. Danke für deine Worte, die gleichzeitig sehr motivierend sind, um daran weiter zu schreiben.
      Freue mich schon auf unser Treffen im Juni. Werde mich aber an anderer Stelle nochmal bei dir melden.

      Sei herzlich durch eine Umarmung gegrüßt

      Emma

      Löschen