Sonntag, 23. Dezember 2012

Geschichten des Lebens XLVIII – Ein Heiligabend





Gemütlich spaziert sie durch den Tag. Ein paar Kleinigkeiten benötigt sie noch. An einem Stand holt sie einen Glühwein und beobachtet wie die Schneeflocken, wie sie in der Luft tanzen bevor sie sich ganz sachte auf der Erde nieder lassen. Auch wenn die Menschen um sie herum in ihrer Hektik bald zergehen, so berührt sie das heute nicht mehr. Heute ist sie ganz für sich und so wie sie ist. Alles andere geschieht einfach. Eine alte Dame verliert ihre Einkäufe, als sie versucht die Straßenbahn zu erwischen. Ohne weiter darüber nachzudenken, hilft sie der Alten und sammelt ihr die Orangen auf, die über den ganzen Schnee verteilt liegen. Die Dame schaut sie nur erstaunt an, als würde sie gerade ein Wunder erleben. Dabei hebt sie nur die Orangen auf. Mit einem Lächeln packt sie diese der Frau in die Tasche, wünscht ihr ein gesegnetes Weihnachtsfest und geht wieder weiter ihrer Wege.
Zwischendurch holt sie sich noch ein paar Lebensmittel für die kommenden Tage. Im Laden steht ein kleines Kind und weint. Es sucht seine Mama. In dem Gedränge hat es den Überblick verloren. Sie geht zu dem Kleinen hin und beruhigt es erst einmal. Danach laufen die beiden ganz in Ruhe durch den Laden, bis sie die aufgebrachte Mutter gefunden haben. Es erfüllt sie ungemein mit Glück, zu sehen wie sich die beiden vor Freude in die Arme fallen und bemerken, das es noch wichtiger ist auf sich gegenseitig achtsam zu sein.
Als sie die Straße wieder betritt, dämmert es schon und die Geschäfte schließen nach und nach. Die Beleuchtungen sind angezündet und ein warmes Gefühl breitet sich in ihr aus, während sie sich durch den Schnee auf den Heimweg begibt. Sie hat alle Zeit der Welt, die sie sich auch nimmt. Es gibt niemanden der sie heute Abend erwartet. Sie bringt ihre Einkäufe nach Hause und macht sich noch einmal auf den Weg in die Kirche. Auch wenn diese sehr voll sein wird, so bringt es sie genau in die Ruhe und Besinnlichkeit, die sie sich gerade so sehr wünscht und ersehnt.
Sie sitzt in der Kirche. Viele Menschen sind dankbar für diesen kleinen Augenblick der Ruhe bevor sie für die Familie kochen müssen oder das Haus voll mit Weihnachtsgästen haben. Andere sind so angespannt, weil es einfach ein Punkt in ihrem Tagesablauf ist, den sie abarbeiten müssen. Eine Traurigkeit überfällt sie bei dem Anblick dieser Menschen. Am liebsten möchte sie ihnen etwas von dieser Last, die sie sich aufgebürgt haben abnehmen, doch das geht nicht. Deswegen schickt sie ihnen die guten Gedanken die sie gerade empfindet.
Nach dem Gottesdienst trifft sie noch ein paar Bekannte vor der Kirche die sich gerade unterhalten. Sie wünscht allen ein gesegnetes Fest. Sie wird gefragt wie sie denn ihr Fest verbringen wird. Sie berichtet mit einem strahlen in den Augen das sie die Tage alleine verbringen wird. Mitleid springt sie an und man bekundet dies ihr gegenüber auch. Doch sie lächelt nur und bestätigt, dass alles bestens ist und es ihr sehr gut geht.
Als sie wieder zu Hause ist, sich etwas zu Essen gemacht hat, sitzt sie mit einem Glas Wein auf dem Sofa. Am Weihnachtsbaum hat sie sich die Kerzen angezündet und auch alle vier Kerzen am Adventskranz brennen. Nun muss sie doch noch einmal kurz über das Mitleid, welches ihr entgegengebracht wurde nachdenken.
Wirklich verstehen kann sie es auch nicht. Sie selber empfindet es nicht als schlimm alleine zu sein. Hat sie wirklich schon mehrere Weihnachten alleine erleben müssen und ihre Gedanken gehen noch weiter zurück, als sie in der Ferne war und diese Tage in einem Krankenhaus verbringen musste. Keiner konnte sie besuchen oder diese Zeit mit ihr teilen. Jedoch war dies nicht so schlimm, wie man es sich immer vorstellen mag. Viele schluckten auch nur als sie hörten, dass sie in diesem Jahr wieder einmal alleine das Weihnachtsfest verbrachten, noch mehr als sie vernahmen, dass alle Angehörigen verreist waren und in der ganzen Welt verstreut sind. Warum ist es für viele Menschen nicht zu verstehen, das es nichts Schlimmes ist das Fest alleine zu verbringen. Ist es für sie viel wichtiger zu wissen, das diese Menschen jetzt glücklich sind und genau das tun, was sie sich seit Jahren wünschen oder sie unendlich mit Glück und Liebe erfüllt. Es erfüllt sie noch mehr mit Wärme, als der Gedanke das alle zu Hause die Zeit verbringen, nur weil Weihnachten ist und man diese Momente gemeinsam verbringen muss. Genauso wie sie ihr Sein einfach so sehr mit Liebe und Glück erfüllt, das sie diese Tage einfach so genießen kann, in dem Frieden und der Ruhe die sie ausfüllen und auch sich die Tage so gestalten lassen, wie es ihr am sinnvollsten erscheint, bevor sie danach gleich wieder in ihrem Alltag verschwinden muss und jeden Tag darauf aufpasst, das sie nicht untergeht in dem ganzen Treiben und der Schnelllebigkeit der heutigen Zeit.
Sie nimmt ihr Glas in die Hand und wünscht sich schöne Weihnachten und betrachtet lange ihren Baum wie er da in all dem Kerzenschein vor ihr steht und sie fühlt sich einfach frei und unendlich erfüllt mit allem was in ihr steckt und sie um sich hat.


© by Emma (19.12.2010)





Kommentare:

  1. Herzlichen Dank für die feine Weihnachtsgeschichte, wie auch für die von mir sehr geschätzten sonntäglichen Erzählungen. Es ist jedesmal ein Genuss, sie zu lesen.

    Ich wünsche schöne Festtage und einen guten Rutsch ins 2013

    Liebe Grüsse Resunad

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    1. Den herzlichsten Dank möchte ich durch diese Weiten schicken, für die Treue und die lieben Grüße :),

      so wie ich es mir nicht nehmen lassen möchte ebenso einen guten Rutsch ins Neue Jahr zu wünschen.

      Ganz viele liebe Grüße
      Emma :)

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